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Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Absolut, diese CD macht eigentlich durchgehend Spaß! Stefan, welche Peplum-Alben könntest Du denn (nahezu) uneingeschränkt empfehlen? Also mit wirklich starken Themen, großen Chören, schmachtenden Liebesthemen, furioser Action und Fanfaren, Pomp und Gloria? Was ungefähr 100.00 DOLLARI PER RINGO, SETTE DOLLARI SUL ROSSO, L'UOMO, L'ORGOGLIO E LA VENDETTA oder IL PISTOLERO DELL'AVE MARIA, UN MINUTO PER PREGARE, UN INSTANTO PER MURIRE etc. für den Italowestern sind? Ich überlege, mir um die fünf Aben zuzulegen und vielleicht auf 15 bis höchstens 20 aufzustocken. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
IL MIO NOME E' SHANGHAI JOE - Bruno Nicolai IL MIO NOME E' SHANGHAI JOE gehört zu jenen Rettungsversuchen des Italowesterns, in dem das Genre mit Elementen eines anderen „aufgepeppt“ werden sollte, im Falle von SHANGHAI JOE handelt es sich dabei um Elemente des seit Beginn der 70er Jahre äußerst beliebten aus Asien importierten Kung-Fu-Films. Mit viel gutem Willen kann man dem Streifen sogar eine Kritik am amerikanischen Traum und einen politischen Standpunkt attestieren: Shanghai Joe möchte Cowboy auf einer Ranch werden, begegnet im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ allerdings nur Rassisten, die ihn oder Mexikaner quälen wollen. Der inhaltliche Ansatz des Films erstickt schnell in den Gewaltexzessen des äußerst brutalen Streifens. Heute ist der Film mit Kultpotential wahrscheinlich zu Recht vergessen. Die Musik lieferte der erfahrene Komponist Bruno Nicolai, der zwar musikalisch auch auf den fernöstlichen Aspekt des Films einging, in erster Linie aber eine typische Italowesternmusik schuf. Bereits die Titelmelodie bedient mit der kernigen E-Gitarre, einer schicken Trompetenlinie über Chorvokalisen und treibende Orchesterbegleitung fast alle nötigen Italowesternklischees. Das ist Musik von der Stange, klar, aber oft hat man diese Ingredienzen schon weitaus gelangweilter und weniger wirksam zusammengerührt bekommen – nicht zuletzt bei Nicolai selber! Auch im weiteren Verlauf weiß die Musik zu unterhalten. In „La Partenza“ schält sich aus einigen Suspense-Klischees ein recht poppiges Stück mit Orgel und Drumset sowie dezenter Gitarren- und Bassbegleitung heraus. In „Richiami D'Amore“ präsentiert uns Nicolai gemütliche Streicherseligkeit mit Gitarrensoli und einem schicken Fagottsolo, der asiatische Einschlag findet sich dann endlich in „Shanghai Joe“ durch eine pentatonische Melodie, wobei uns die E-Gitarre mit ihren Zwischenschlägen nie vergessen lässt, dass wir uns hier eigentlich in einem Italowestern befinden – geschickt gelöst. Die wenigen Suspensepassagen hat man schnell durchgesessen und sonst wartet Nicolai in fast jedem Stück mit einem neuen melodischen Einfall auf. Auszüge aus der Musik wurden bereits ein Jahr nach dem Filmstart auf LP veröffentlicht. Interessanterweise wurde auf einige Passagen der Originalmusik zu Gunsten von Temptracks aus anderen Nicolai-Westernkompositionen (UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA sowie UN UOMO CHIAMATO APOCALISSE JOE) verzichtet. Insgesamt handelt es sich bei dieser Präsentation von IL MIO NOME E' SHANGHAI JOE um eine der gefälligsten Italowesternmusiken, die ich kenne. GDM hat das Album 2014 in die Hillside-Serie ohne zusätzliches Material aufgenommen. Ich kann diese CD – im Gegensatz zu einigen, die ich auf diesen Seiten vorgestellt habe – wirklich empfehlen. Freunde von klassischer bzw. typischer Italowesternmusik kommen hier voll auf ihre Kosten und einen schicken Bonus in Form des (zum Glück nur auf einen Titel reduzierten) asiatischen Einschlag gibt’s auch noch oben drauf! -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Bei mir hat sich das in den letzten 15 Jahren sehr gewandelt. Zu Beginn habe ich eigentlich nur Musik zu Filmen gekauft, die ich schon kannte. Ich erinnere mich noch, dass ich SCHNELLER ALS DER TOD und DER DUFT DER FRAUEN eines Abends hintereinander auf Kabel1 gesehen habe, und anschließend genau diese Kombi im Internet bestellt. Mittlerweile ist es fast umgekehrt - selten kaufe ich Musik zu Filmen, die ich im Moment sehe, denn das zeitgenössische Kino interessiert mich filmisch und musikalisch ziemlich wenig. Umgekehrt kaufe ich kaum mehr Filmmusik wegen des Films, sondern wegen des Komponisten, des Genres etc... bei amerikanischer Western-Musik aus den 50er Jahren weiß man ja ebenso was einen erwartet wie bei als "orchestral" etikettierter 90er-Hollywoodmusik. Zugegebenermaßen... bei mehreren Italowesternmusiken bin ich "reingefallen", aber das kann ja mal vorkommen. Wenn es an die Peplum-Musiken geht, werde ich versuchen, repräsentativer Beispiele der jeweiligen Kauf-Kandidaten zu erhaschen. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Das Phänomen kenne ich aber: Wenn man einen Film sehr gut kennt und schätzt, dann ist die musikalische Qualität manchmal nicht so entscheidend wie bei einer Musik, zu der man den zugehörigen Film gar nicht kennt. In letzterem Fall muss die Musik allein überzeugen, im ersteren kann es sein, dass man die Musik auch hört, weil man sich intensiver an bestimmte Szenen erinnern oder die Atmosphäre des Films noch einmal nachfühlen möchte. Dann ist es aber sinnvoll, in einem Forum etwas mehr Abstand zu gewinnen und zu überlegen, ob es für Leute, die keinen persönlichen Bezug haben, sinnvoll ist, da Zeit und Geld zu investieren. Habt ihr denn die Olimpiade-Sachen von Trovajoli immerhin von den Bändern "gerettet" - sprich: ebenfalls digitalisiert? -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Also ich nicht - Danke für die Warnung! Aber schön, dass wir mittlerweile auch Eindrücke von Peplum-, Action- und Horrormusiken hier verzeichnen können - bitte weiter so! -
veröffentlichung Varèse Sarabande: Dave Grusin - THE YAKUZA
Mephisto antwortete auf Sparks Thema in Scores & Veröffentlichungen
Soweit ich das auf den ersten Blick erkennen kann, ist der erste Block identisch mit der FSM-Ausgabe, im Bonus-Bereich fehlen bei Varèse der Filmmix von "20 Year Montage/Scrapbook Montage", dafür gibt's aber 6 Demo-Aufnahmen des Themas. Ich dachte eigentlich, dass YAKUZA zu den Titeln gehörte, von denen FSM nicht einmal die volle Stückzahl von 3000 gepresst hat, habe noch kurz vorm Ausverkauf zu geschlagen und benötige daher die Varèse-CD nicht. Diese ist übrigens im Rahmen der "We-hear-you"-Serie erschienen, die ein neues Rücken-Design hat. Zur Musik kann ich nichts sagen, da ich weder den Film kenne, noch die CD bisher gehört habe. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Auf diese Musik bin ich nur aufmerksam geworden, weil Les Baxter die amerikanische Fassung vertont hat. Es ist ja relativ üblich gewesen, dem Liebesthema viel Raum zu geben, vielleicht steckte da auch immer etwas mehr Herzblut drin als bei den stereotypischen Heroenthemen, die sich ja aber auch ganz gut ausschlachten lassen. Diese Beobachtung habe ich zuletzt ja auch bei Nicolais IL GIORnI DELLA VIOLENZA gemacht. Kennst Du auch die Baxter-Fassung? Mit den Peplum-Musiken wollte ich mich bei Zeiten auch noch einmal auseinandersetzen, aber dann wirklich gezielt und nur mit der "Crème de la crème", sofern sie sich gut ausfindig machen lässt. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Absolut, immerhin gibt es ja auf CD 3 auch ein "Best-Of" der drei Musiken aus den ersten beiden Teilen der Reihe. Naja, morgen gibt's dann den letzten Nicolai - und der macht tatsächlich irrsinnig viel Spaß -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
1970 entstand mit ARIZONA SI SCATENÒ... E LI FECE FUORI TUTTI eine Fortsetzung zu dem vier Jahre zuvor gedrehten ARIZONA COLT. Gilt ersterer als einer der gelungensten Beiträge zum Italowestern, erntete die unter DER TOD SAGT AMEN in Deutschland gelaufene Fortsetzung keine guten Kritiken. Erstmals zugänglich wurde die Musik von Bruno Nicolai auf dem letzten Album der dreiteiligen Reihe „The Western Music of Bruno Nicolai“ des spanischen Labels Saimel. Konnte das erste Album mit den Musiken zu UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO und I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA noch streckenweise überzeugen, wurde auf der zweiten CD mit NA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA eine absolut inspirationslose Komposition Nicolais erstveröffentlicht. Auch bei ARIZONA SI SCATENÒ... E LI FECE FUORI TUTTI wird uns kein unterschätztes Meisterwerk dargeboten, sondern eine durch und durch routinierte Arbeit. ARIZONA COLT wurde 1966 von Francesco de Masi vertont. Seine Musik zählt zu den besten Westernvertonungen des Komponisten, wenn nicht zu seinen besten Werken überhaupt. Nicolai nimmt auf die Arbeit seines Kollegen allerdings keinen Bezug, sondern komponierte eine Zahl eigener Themen und Motive. Im Gegensatz zu de Masi konnte er auch nicht auf ein voll besetztes Orchester arbeiten, sondern musste seine Musik für Mundharmonika, Gitarren, E-Bass, Tasteninstrumente, Perkussion, ein Horn und Stimme instrumentieren. Den Kernpunkt bildet das vergnügte Titellied, dargeboten von der Formation „I Cantori Moderni“, dessen Text die Stupidität vieler anderer Italowesternsongs noch zu überbieten vermag: „I guess I gotta get my gun, I guess I gotta shoot someone... Bang! Bang! Hey, Yippie-Yay-Yeah!...“ Dabei steht der Text diametral zu der vergnügten Melodielinie, die tatsächlich einiges an Ohrwurmqualität besitzt. Das Titellied „Arizona Gun“ findet sich denn auch häufiger in der ersten Filmhälfte, die von komödiantischen Szenen doniniert wird. Die obligatorische Varinate, in der die Melodie lediglich gepfiffen wird, darf hier ebensowenig fehlen wie eine Fassung für Mundharmonika und Begleitung. Nicolai komponierte noch ein weiteres vergnügtes Thema, das über sanfte Gitarrenbegleitung gepfiffen wird, aber leider nur einmal zu Gehör gebracht wird („Sequenza Nr. 13“). Ein „seriöseres“ instrumentales Seitenthema wird relativ bald etabliert und löst „Arizona Gun“ schnell als zentrales Thema ab. Es wird häufig vom Horn, einem der wenigen reinen Melodieinstrumente, die Nicolai zur Verfügung standen, intoniert, vermag sich aber niemals so gut im Gedächtnis festzusetzen wie das alberne Titellied. Zu den interessantesten Momenten gehören noch „Sequenza Nr. 9“ und „Sequenza Nr. 24“, in denen das Seitenthema über durchgehende Tomtomrythmen intoniert wird. Als weitere melodische Elemente nehmen ein Suspensemotiv, häufig im tiefen Register von der E-Gitarre und dem Cembalo gespielt, sowie eine mexikanisch-folkloristsche Melodie einen großen Raum in der Partitur ein. Insgesamt schuf Bruno Nicolai für ARIZONA SI SCATENÒ... E LI FECE FUORI TUTTI eine zweckdienliche Partitur, die nicht nur unter der kleinen Besetzung, sondern leider auch an der Uninspiriertheit der melodischen Einfällen leidet. Das vergnügte Thema aus „Sequenza Nr. 13“ wird nicht weiter ausgebaut und einzig das Titellied bleibt von dieser Musik im Gedächtnis. Allerdings fragt man sich, ob es wirklich die schmissige Melodie ist oder doch nur der überaus dumme Text, der diese Musik vor der völligen Belanglosigkeit bewahrt. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Den hat mir Sami damals empfohlen... Naja, morgen gibt's dann den dritten Teil. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA - Bruno Nicolai Das zweite Album aus einer dreiteiligen Reihe mit der Westernmusik von Bruno Nicolai ist ausschließlich der Vertonung von UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA gewidmet. SARTANA KOMMT ist der vierte von insgesamt fünf SARTANA-Filmen und der letzte, in dem der trickreiche Meisterschütze in Totengräberkluft von Gianni Garko dargestellt wurde. Bruno Nicolais Musik zu diesem Schießwütigen Epos, in dem vier Abenteurer einer halben Million Dollar hinterherjagen, entpuppt sich leider als äußerst dröge und zähe Angelegenheit. Eine kernige Viertonfigur der E-Gitarre mit anschließendem Einwurf der Okarina dient als musikalisches Signum für den Protagonisten. Hier kommt noch ein bisschen Italowesternflair auf, ebenso wie bei diversen Ritt-Passagen für E-Gitarre und treibende Orchesterbegleitung. Allerdings wirken diese musikalischen Idiome derart abgegriffen wie auch das Hauptthema, das man so ähnlich schon oft gehört hat: In Blech und Streichern legt sich eine uninspirierte, hauptsächlich auf Dreiklangsbrechungen aufbauende Melodie über das rhythmische Fundament des Orchesters. Ein weiteres Manko in der Musik liegt darin, dass Nicolai überhaupt nichts aus seinen dünnen thematischen Einfällen macht, sondern sich für einen Großteil der Komposition auf funktionale Suspensemusik beschränkt, die als Hörerlebnis äußerst unzufriedenstellend daherkommt. Wie auch das Hauptthema wurden die Spannungspassagen aus den typischen Versatzstücken zusammengesetzt und erfüllen im Zusammenhang mit dem Bild ihren Zweck, bleiben darüber hinaus aber vollkommen bedeutungslos. Erst in den letzten zehn Minuten greift der Komponist wieder auf seine zwei melodischen Einfälle – die Ritt-Melodie der E-Gitarre und das Hauptthema – zurück, hat allerdings durch die vorherigen drögen 40 Minuten den Hörer schon derart gelangweilt, der sich nun auch nicht mehr für die variationsarmen Darbietungen des Hauptthemas interessiert. Mit der CD von Saimel wurde zwar eine Lücke geschlossen, da es zuvor - mit Ausnahme der Titelmusik auf dem Album zu IL MIO NOME S SHANGHAI JOE keine Musik zu UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA auf Tonträger gab, in Anbetracht der über 50 Minuten Langeweile fragt man sich aber zu Recht, ob jemals Bedarf bestand, diese Lücke zu schließen. Einzig und allein Komplettisten oder absoluten SARTANA-Fans kann man diese Scheibe empfehlen, die mit einem dünnen Begleitheft ohne Filmbilder und einer Inhaltsangabe auf Spanisch daherkommt. Wie auch bei den anderen drei Nicolai-Westernmusiken, die im Rahmen dieser Reihe veröffentlicht wurden, punktet das Album allerdings durch eine sehr klare Tonqualität, aber was nützt das, wenn die Inspirationslosigkeit in aller klanglichen Sauberkeit aus dem Lautsprecher tröpfelt?... -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Wow! Vielen Dank für diesen Beitrag, Angus! Von de Masi habe ich mir vor zwei Jahren die alte Beat-Ausgabe zu THUNDER III gekauft, bin dazu aber noch nicht vorgedrungen. LONE WOLF MCQUADE fand ich sehr unterhaltsam und habe mich davon ausgehend ja auch näher mit de Masis Westernmusiken auseinandergesetzt - mit einigen echt schönen Funden. Allerdings gibt es in seinen Westernmusiken ja relativ wenig "richtige" Action-, sondern eher Suspensemusik. Die wenigen Actionpassagen, die ich von ihm kenne, haben mich bisher nicht so umgehauen wie seine melodisch-thematischen Passagen. Mit knappen melodischen Zellen, die ziemlich generisch sind, zu arbeiten, ist ja an sich kein roblem, aber ich finde, dass de Masi selten die Wucht seiner Besetzung (die ja auch nicht immer groß waren) voll auszunutzen, weil die unterschiedlichen Instrumentegruppen sich die einzelnen Motivzellen abwechselnd zureichen, selten aber tutti musiziert wird. Daher ist es schön zu lesen, dass THUNDER und MAD DOG auch mit ausreichend Americana daherkommen. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Auf dem ersten von insgesamt drei der Westernmusik Bruno Nicolais gewidmeten Alben präsentiert das spanische Label Saimel die Musiken zu UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO und I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA. UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO wurde in Deutschland unter dem Titel EIN HALLELUJA FÜR SPIRITO SANTO verliehen und führte nach Django, Ringo und Sabata eine neue Figur ein, der eine Reihe von Filmen gewidmet war. Bei Spirito Santo handelt es sich um einen Beschützer der Hilflosen, der fast als Heiliger mit Superkräften inszeniert wird. Stets in weiß gekleidet und von einer Taube begleitet kämpft er im ersten Film gegen die Schergen des General Ubartes, der das mexikanische Volk unterjocht. Für Zeit und Ort der Handlung komponierte Nicolai, durch die Arbeit an anderen Revolutionswestern bereits erfahren, ein äußerst schmissiges Titellied, das vom Chor über die treibende Begleitung des kleinen Orchester und einem besonders prominent vertretenen Cembalos intoniert wird und es ohne Zweifel mit ähnlich gelagerten Liedern aus CORRI, UOMO, CORRI und Konsorten aufnehmen kann. Für Spirito Santo entwarf der Komponist eine lässige, über dezente Begleitung gepfiffene Melodie sowie eine kurze Orgelkadenz. Wird erstere nach der Einführung Spirito Santos kaum mehr aufgegriffen, fungiert im weiteren Verlauf die Orgelkadenz als Signum für den merkwürdigen Protagonisten. Das Revolutionslied „Libertad“ erklingt in abgespeckter Version auch an drei weiteren Stellen im Film und wird es hauptsächlich vom Chor über Gitarren gesungen und erhält so einen besonders „historisch korrekten“ Anstrich. Eine ansprechende ruhigere Variante in „Seuqnza“ präsentiert die Melodie im Cembalo über zurückhaltende Gitarrenbegleitung. Trotz des großen thematischen Potentials in Form von „Libertad“ und dem Pfeifthema für Sprito Santo besteht ein Großteil der Musik aus Suspensepassagen, die allesamt kompetent gemacht sind, den Hörfluss aber auf Dauer hemmen. Flächige Streicher bilden häufig das Fundament für einzelne Motivzellen in der E-Gitarre, die sequenziert und dynamisch gesteigert werden. Im letzten Drittel erklingen zwei äußerst alberne Saloonpiecen, die sich nicht so ganz in den Hörfluss integrieren wollen. I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA ist ebenfalls ein später Beitrag zum Genre. Der durchschnittliche Rachewestern kam im deutschen Sprachraum bisher noch nicht zur Aufführung. Auf CD erweist sich I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA als weitaus konziser denn UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO, handelt es sich um mehrere Variationen dreier Themen. Das Hauptthema wird von schattenhaften und verhuschten Tremoli der Streicher und Flatterzungen der Flöte eröffnet, die eine tolle „Nachtatmosphäre“ kreieren, bevor nach einem wuchtigen Glockenschlag die eigentliche Titelmelodie erklingt. Über einen sanften Streicherteppich erklingt der A-Teil des Themas unisono in der Flöte und dem Cembalo, eine leicht poppige synkopische Klavierfigur füllt die Liegetöne der Melodie aus. Der B-Teil weist mit der Solotrpmete über einen Bolerothythmus deutlich mehr Pathos auf. Dreimal erklingt das Hauptthema in dieser Form fast unverändert im weiteren Verlauf des Films, allerdings entwarf Nicolai noch eine ansprechende Variation, in das Thema von einer Orgel gespielt und anschließend von der Solovioline fortgeführt wird. Neben der Titelmelodie schrieb der Komponist zwei weitere Themen: Eine etwas beschwingtere Melodie, die vom Cembalo über eine dezente Begleitung der Rhythmusgruppe gespielt wird und einen leicht mexikaischen Einschlag aufweist sowie ein melancholischeres Thema, das insgesamt zweimal erklingt. Insgesamt mag es ein lobenswertes Unterfangen sein, bisher unzugängliche Westernmusik von Nicolai zu veröffentlichen – der Markt ist ja ohne Frage da. Allerdings kranken auch diese beiden Genrebeiträge unter ständigen Wiederholungen und im Falle von UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO unter spannungsarmer Spannungsmusik und albernen Saloonstücken. I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA bildet da das rundere Hörerlebnis, auch wenn es hier ebenfalls nur eine Auswahl der präsentierten Stücke tun würde. -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Ein beeindruckender Film, der mit der Musik eine hervorragende Wirkung erzeugt. Vielleicht mein Favorit der Tarkovsky-Filme, die ich kenne. Hatte nie auf dem Schirm, dass es dazu eine Veröffentlichung gab. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
I GIORNI DELLA VIOLENZA - Bruno Nicolai Die Musik zu I GIORNI DELLA VIOLENZA stammt von dem bereits im Westerngenre durch 100.000 DOLLARI PER RINGO, EL CISCO und DJANGO SPARA PER PRIMO erfahrene Bruno Nicolai – eine zweistellige Zahl weiterer Westernvertonungen sollte bis 1973 noch folgen. Die Musik zu I GIORNI DELLA VIOLENZA geht - gemessen an Nicolais eigenen Kompositionen und denen seiner Kollegen - nicht über routiniertes Handwerk hinaus, hält allerdings einige Feinheiten für den geneigten Hörer parat. Dem Komponisten stand eine kleinere Besetzung aus Streichern, Schlagzeug, Gitarre, zwei Trompeten und einer Posaune zur Verfügung – eine übliche Besetzung für derartige Produktionen, denn nicht immer konnten Komponisten bei solchen Italowestern mit einem voll besetzten Orchester rechnen. Hauptsächlich fußt die Musik auf zwei melodischen Gedanken: einem Hauptthema und einem Liebesthema. Ersteres besteht aus zwei Teilen, die beide sehr cantabil gestaltet sind könnten auch als Fundament für die Strophe und den Refrain eines Titelsongs herhalten. Die dezente Begleitung des Drumsets (durchlaufende Achtel und Randschlag (rim-klick) auf den unbetonten Zählzeiten) verstärkt diesen poppigen Eindruck. Das Thema selbst wird von der ersten Trompete intoniert, während die zweite, mal mit mal ohne Dämpfer, militärsignalähnliche Figuren einwirft, lange Streicherakkorde füllen den Klang zusätzlich etwas auf. Das Hauptthema erklingt nahezu unverändert auch in diesem Arrangement im Film. Etwas facettenreicher tritt hingegen das Liebesthema in Erscheinung. Eine schön „klassisch“ ausladende Melodie, erklingt es zuerst in der Sologitarre, um später hauptsächlich von den Streichern voll ausgespielt zu werden. Das Liebesthema bestreitet den größten Teil der Musik, die neben ihren zwei Themen auch mit wenig Suspense und Action aufwartet. Letztere Passagen sind aber nicht wirklich der Rede wert, die Suspensepassagen gehen immerhin über die übliche rein funktionsmäßige Spannungsmusik hinaus, da Nicolai hierfür hauptsächlich auf die Streicher zurückgriff, die hier unbehaglich tremolieren, aber auch für die Action stehen dem Komponisten ein Schlagzeuger und Streicher zur Verfügung. Somit erklingt zweimal ein synkopischer Tutti-Rhythmus, der zwar (im Gegensatz zum Hauptthema) einiges Westernfeeling aufkommen lässt, aber nicht wirklich ausgearbeitet und zusätzlich unsauber gespielt wird. Letzten Endes ist die Musik zu I GIORNI DELLA VIOLENZA alles andere als ein Pflichtkauf, aber bei Weitem nicht so uninteressant wie viele andere Italowesternmusiken. Eine 37 Minuten lange Suite wurde erstmals 1997 zusammen mit IL MIO NOME E SHANGHAI JOE auf CD gepaart, bevor GDM 2003 die vollständige Musik im Rahmen des GDM Clubs veröffentlichte. Auch hier genügt es letzten Endes, für die eigene Bibliothek das Hauptthema und eine repräsentative Darbietung des Liebesthemas zu extrahieren, denn auf die Dauer wirkt die Musik etwas zu repetetiv. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Naja, es gibt schon einige Italowesternmusiken, die man sich gut komplett anhören kann: ZWEI GLORREICHE HALUNKEN, 100.000 DOLLARI SUL RINGO, SETTE DOLLARI SUL ROSSO, SPORCA STORIA NEL WEST und auch bei den Erweiterungen aus IL SUO NOME GRIDAVA VENDETTA, UNO DOPO L'ALTRO oder war schon vieles dabei, was es so nicht auf die Album-Versionen geschafft hätte und worüber ich mich jetzt sehr freue, aber klar - das sind eher Ausnahmen die die Regel bestätigen. Was I LUNGHI GIONRI DELLA VENDETTA betrifft, werde ich mir demnächst nochmal die LP-Zusammenstellung programmieren. Ich finde es aber wichtig, hier auf die gesamte Musik einzugehen und auch ihre Wirkung auf CD zu beurteilen. Auch wenn ich dann oft zu dem Urteil komme, dass man sich größtenteils eine eigene Auswahl zusammenstellen sollte, möchte ich mich hier ja umfassend mit den Musiken auseinandersetzen. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Danke für den Tipp - da ich die GDM habe (habe das Cover nicht auf die Schnelle gefunden), werde ich die Liste die Tage einmal ausprobieren. Mich wundert auch, dass die Musik immer wieder in noch längeren Fassungen erhältlich ist, vielleicht auch, weil der Film ganz gut sein soll. Auf welchem Tarantino-Soundtrack ist der denn enthalten? Kann mich gar nicht mehr erinnern, den in einem Film von ihm gehört zu haben und habe auf den Titellisten nichts gefunden. Die mittlerweile ausverkaufte GDM-CD wird ja auch für gutes Geld gehandelt, hier kann dann echt nur noch der Sammlerwert ins Gewicht fallen... -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Mephisto antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
I LUNGHI GIONRI DELLA VENDETTA - Armando Trovaioli Nicht selten basieren Italowestern auf literarischen oder anderen Vorlagen wie zum Beispiel die im Wilden Westen angesiedelte „Hamlet“-Verfilmung QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST oder der auf Prosper Mérimées Novelle „Carmen“ basierende Film L'UOMO, L'ORGOGLIA, LA VENDETTA, der in Deutschland als Western MIT DJANGO KAM DER TOD synchronisiert wurde. I LUNGHI GIONRI DELLA VENDETTA gehört zu den ambitionierteren Italowestern und entstand frei nach Motiven aus Alexandre Dumas' Roman „Der Graf von Monte Christo“. Die Musik steuerte Armando Trovaioli bei, dem ein mittelgroßes Ensemble von Streichern, Gitarren, E-Bass, Perkussion, Trompete, Englischhorn und Mundharmonika zur Verfügung stand. Trovaiolis Musik ist fast durchgehend melodisch gearbeitet, als einziges kleines Suspense-Element fungiert eine auf der E-Gitarre oder dem E-Bass schnell aufgeführte Tonrepetition, die in mehreren Passagen auftritt, reines Suspensewerk gibt es aber erstaunlicherweise nicht. Stattdessen entwarf der Komponist gleich eine handvoll Themen. Als erstes ist hier die Titelmelodie zu nennen, die – von der Solotrpmete über die Streicher intoniert – zu Beginn des Films erklingt. Der Ambitus dieser getragenen Linie wird stufenweise erweitert, bevor sie sich pathetisch entlädt. Interessanterweise ist das Thema fast ausschließlich zu Beginn und am Ende des Films in seiner Gänze zu hören, während es im Verlauf des „underscorings“ stets nur angedeutet wird. In solchen Fällen erklingen die Anfangsintervalle meistens in der Gitarre. In „La Prateria“ führt Trovaioli auch ein apartes Ritt-Thema über dem typischen „Galopp-Rhythmus“ der kleinen Trommel und pointierte Streicherfiguren in der Trompete ein, das bald von der E-Gitarre und dem Englischhorn übernommen wird. Dieses wird aber leider schon gegen Ende des ersten Drittels zum letzten Mal erklingen. Einen weiteren wichtigen Bestandteil des thematischen Fundus' bilden zwei „americanaartige“, gesangliche Themen, die häufig von der Mundharmonika, seltener von der E-Gitarre über Akustikgitarrenbegleitung intoniert werden. Leider krankt die Musik trotz oder gerade wegen dieser thematischen Fülle, denn kein melodischer Einfall ist derart originell, dass er wirklich auffällt, insbesondere die Mundharmonika-Themen lassen sich am Anfang schnell verwechseln. Das Titelarrangement des Hauptthemas mag in der verhallten Abmischung und mit den getragenen Streichern noch einige Stimmung zu vermitteln, verfällt die Musik bald in die immergleichen Muster. Kaum ein Einfall wird variiert, es erscheint fast, als wären hier sämtliche Takes ein- und derselben Stücke auf die CD gepresst worden. Daher gestaltet sich ein vollständiger Hördurchgang der kompletten Musik bald als überaus eintönig und spätestens ab dem letzten Drittel sind viel Geduld und Sitzfleisch gefordert, um die x-te uninspirierte Darbietung der beiden Mundharmonikathemen über sich ergehen zu lassen. Interessanterweise scheint die Nachfrage nach oder zumindest das Interesse an der Musik relativ groß zu sein. In Italien erschien 1985 eine LP mit Auszügen aus der Musik, 1997 in Japan die erste CD mit ungefähr der Hälfte der Musik, bevor 2001 GDM eine erste vollständige Veröffentlichung vorlegte, die 2007 mit einer japanischen Ausgabe getoppt wurde, auf der ein weiterer Titel enthalten ist. 2016 erschienen nochmals 500 Exemplare einer limitierten italienischen CD zu I LUNGHI GIONRI DELLA VENDETTA. Klar, die Musik ist ja nicht schlecht und recht stimmungsvoll, wird aber auf die Dauer eine echt zähe Hörangelegenheit, weswegen ich dazu raten würde, deutlich zu sondieren. Fünf oder sechs repräsentative Passagen aus dieser Musik können schließlich richtig Spaß machen, alles darüber hinaus wird überflüssig. -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Muss auch mal ein Label wieder auflegen ;). Die Promo ist ja offensichtlich nur zu Mondpreisen erhältlich. Auch 3:10 TO YUMA von Duning wäre mal schön als reguläres Album. -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Skinner ist ohnehin furchtbar unterrepräsentiert auf CD, würde mir auch mal gescheite Verröfentlichung seiner Musiken zu den Douglas-Sirk-Filmen wünschen. Wir scheinen ja alle ein bisschen im Western-Fieber zu sein, daher gibt's hier von Jarre: EL CONDOR/VILLA RIDES Diese Veröffentlichung von Universal France vereint zwei Westernmusiken des französischen Komponisten. Den Spätwestern EL CONDOR von BLUE-MAX-Regisseur John Guillermin habe ich bis heute nicht gesehen, scheint aber zu jenen Filmen des Genres zu gehören, die maßgeblich vom Italowestern beeinflusst wurden, der selbst bereits im Sterben lag. Dieser Eindruck wird nicht nur durch die Besetzung der Hauptrolle mit Lee van Cleef bestätigt, sondern auch von der mexikanisch-texanischen Grenzszenerie, in der der Film angesiedelt zu sein scheint und die sich natürlich in den exotischen Einfärbungen der Musik niederschlägt. Typisch für Jarre fällt dem Schlagzeug eine wichtige Rolle zu: Es schleicht sich zu Beginn der Titelmusik heran, ein tänzerisches Mosaik, zusammengesetzt aus kleiner Trommel, großer Trommel, Woodblocks, Vibraslap, Tamburin etc, in das sich auch die Streicher mit archaischen Tremoli einschalten, bevor das Hauptthema in den Bläsern und dem Akkordeon erklingt. Der A-Teil des Hauptthemas erinnert zwar vom Gestus an eine Volksmelodie, scheint sich aber immer wieder gegen das Metrum des Schlagzeugs zu wehren und wirkt daher ein wenig sperrig - typisch für Jarre. Der B-Teil kommt in den Trompeten weitaus leichter, tänzerischer und "mexikanischer" daher. Beide thematischen Elemente werden geschickt variiert (am eingängisten wahrscheinlich in "The Ride" und im weiteren Verlauf kommen noch einige weitere melodische Gedanken hinzu wie die pentatonische Tonfolge in "Luke and Jaroo". Auf die gesamte Dauer gestaltet sich EL CONDOR allerdings als ein hin und wieder mühsamer Ritt, das liegt vor Allem daran, dass es der Musik - vielleicht auch filmbedingt - ein wenig an Schmackes fehlt. Oftmals ziehen sich einzelne melodische Zellen und Themen behäbig über harmonisch angeschärften Ostinatoifiguren wie zu Beginn von "Before the attack" oder erklingen äußerst gedehnt unisono in einigen Instrumenten, durchsetzt von dissonanten Kadenzen wie in "Pure Gold". Dann plötzlich wechselt die Musik unvermittelt in fast komödiantische Varianten des Themenmaterials, indem das Hauptthema vergnügt über die Begleitung des Banjos dahertrottet, nur um wenig später wieder in schleppendes Underscoring zu versinken. In Anbetracht der langen Laufzeit der nur 10 Titel (4 oder 5 Minuten im Durchschnitt) und der raschen atmosphärischen Wechsel gehe ich davon aus, dass viele kürzere Passagen zu längeren Titeln zusammengefasst wurden. Was Filmmusik in ihrer Albumpräsentation manchmal zu Gute kommt, erschwert den Genuss dieser Musik zusätzlich. Weitaus besser "rutscht" die Musik zu VILLA RIDES. Dieser Film spielt ebenfalls in Mexiko, sodass Jarre hier was das Lokalkolorit betrifft, aus den vollen schöpft. Auch hier ist die Titelmusik wieder grandios arrangiert, indem man das Thema erst über Windgeräusche gepfiffen hört, bevor das Orchester einsetzt. Das ebenfalls mexikanisch-folkloristisch anmutende Hauptthema geht weitaus leichter ins Ohr als das zu EL CONDOR und ist auch viel schmissiger in den weiteren Verlauf eingebunden, die mit dem "Waltz in the clouds" oder dem charmanten folkloristischen Liebesthema weitere schöne Einfälle verzeichnet. Auch die Action kommt hier nicht zu kurz, insbesondere in den Titeln "The battle" und "Villistas attacking the train". Mir selbst ist die Musik ja ein bisschen zu "mexikanisch", mit dieser Art von Folklore konnte ich jenseits von Source-Musik in Western wenig anfangen. Wer aber gerne eine satte Portion Mariachi-Klänge zu seinem Chili-Eintopf genießt, kann hier beherzt zulangen! Für alle, die nicht genug bekommen können gibt es die vollständige Musik zu VILLA RIDES auch in einer hervorragenden Neuaufnahme von Tadlow Music, aufgefüllt mit weiteren Titelmusiken aus anderen Jarre-Westernscores. -
Habe die 16 Minuten jetzt mal durchgesessen. Eine ziemlich generische Filmmusik aus der RCP-Schmiede, klanglich ist das leider alles wieder ziemlich "grau in grau" - die üblichen Hörner, Streicher und ordentlich Schlagwerk und Chor. Ich vermisse hier die Farbigkeit der Musik zu AM ENDE DER WELT oder so schöne "Gimmicks" wie die Orgel und die Spieluhr für Davy Jones. Während Hans Zimmer mittlerweile ja hauptsächlich an irgendwelchen Klangexperimenten tüftelt, liefert Zanelli hier eine Musik, die vielleicht die Acion des Films gut vorantreibt, darüber hinaus aber kaum Eigenständiges bietet. Die beiden neuen Themen, die mir aufgefallen sind, wirken ebenfalls ziemlich blass. Mal sehen, was das ganze dann im Film kann. Vielleicht hat Hybrid Soldier ja auch einfach die Suite nicht nach meinem Gusto zusammengestellt.
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Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Jerome Moross - THE BIG COUNTRY Diese musikalische Perle wird ja gerne als eine DER Westernmusiken schlechthin bezeichnet, umso erstaunter war ich, als ich der vollständigen Musik den ersten Hördurchgang gab, denn kernige synkopische Tutti-Rhythmen à la Elmer Bernstein, pentatonische Indianermusik oder mexikanisch angehauchte Folklore findet sich hier ebenso wenig wie Anklänge an nordamerikanische Volksmusik. Sicher, das im Vorspann von fulminanten Fanfaren angekündigte Hauptthema scheint das "weite Land" mit musikalisch breitem Pinsel über wogenden Bläsern, Celli und Bässen nachzumalen, doch in jedem Takt schimmert hier Moross' Begeisterung und seine Leidenschaft für den Broadway durch: es jazzt und blust in dieser Westernmusik ordentlich, seien es die lässigen Blechbläser in "05 - Courtin' Time", das hämische Thema für Buck Hannassey oder gar das Liebesthema für McKay und Julie. Fast jede musikalische "Nummer" basiert auf einem der vielen Themen und ist in sich formal geschlossen wie ein Song. Manchmal wechseln sich einzelne Themen ab, geben sich förmlich die Klinke in die Hand, aber wirklich "symphonisch verarbeitet" wird hier kein melodischer Gedanke, nicht einmal variiert: Das Hauptthema ist immer in das helle Licht der Streicher getaucht, das "Cowboy"-Thema erklingt stets in den maskulinen Blechbläsern etc. Daraus resultiert auch die stattliche Zahl von 42 Titeln für insgesamt 74 Minuten Musik. Dem Film tut das keinen Abbruch und auch auf CD lässt sich THE BIG COUNTRY famos durchhören, den Ruhm verdankt diese Komposition wahrscheinlich hauptsächlich der grandiosen Titelmusik und der Berühmtheit des hervorragenden Films. Wirklich Schule gemacht hat Moross' "grooviger" Ansatz nicht - im Gegensatz zu Bernsteins coplanduesqer Herangehensweise seit THE MAGNIFICENT SEVEN. Dennoch klingt THE BIG COUNTRY sehr nach "klassischer" Filmmusik, was vor allem an dem orchestralen Arrangement liegt, das allerdings um einiges "glatter" ausgefallen ist als die sich wuchtig auftürmenden Klangballungen eines Dimitri Tiomkin, dem rauen und kantigen Stil eines Miklós Rózsa oder den klangschwelgerischen Partituren eines Korngold. Moross Opus magnum bietet einiges an Hörvergnügen und kann durchaus als origineller Ansatz gewertet werden. Die vollständige Musik liegt seit den 90er Jahren durch Screen Archives in hochwertiger Sammlerdeition vor, Lala Land Records veröffentlichte zu Beginn dieses Jahrtausends eine verpackungstechnisch "abgespecktere" Variante, die sich recht lange hielt. Schließlich machte das dubiose Label Harkit dieselbe Abtastung noch einmal zu Geld. Diese unspektakulär bebilderte Ausgabe wartet immerhin mit einem sehr informativen Booklet zu Film und Musik auf und ist hier als momentan einzig regulär erhältliches Album dieser Musik als Bild vertreten. -
veröffentlichung Back Lot Music: Brian Tyler - THE MUMMY
Mephisto antwortete auf horner1980s Thema in Scores & Veröffentlichungen
Es wäre zu einfach, sich als Goldsmith-Enthusiast, der ich nunmal bin, mich hier über die Musik zu einer MUMIEN-Neuauflage aufzuregen. Stimmungsvoll mag die Musik sein, atmosphärisch - ja, aber musikalisch einfach nicht interessant. Tyler reiht hier einzelne Phrasen aneinander, mit denen er Steigerungen erzielen kann (so beispielsweise ab 3:17 bis 3:42), das kann im Zusammenhang mit den entsprechenden Bildern recht fesselnd wirken. Ich halte es auch nicht für zwingend, dass das Hauptthema einen (klischeehaften) "orientalen" Einschlag haben muss, aber diese Fünfton-Zelle, die Tyler uns hier als einziges (!) melodisches Element präsentiert (besonders prominent ab 4:32) ist der uninspiriert und floskelhaft, dass es sich kaum von den Motivbausteinen der Steigerungspassagen abhebt. Stattdessen wird dann mal wieder das Duduk herausgekramt, dass ja seit GLADIATOR eine fast zehnjährige Hochphase in der Filmmusik gefeiert hatte. Ein bisschen erinnert mich dieser hohle Bombast an fette Trailermusik, im Film vielleicht ganz nett, aber auf CD brauche ich das nicht. Es ist echt schade, dass Filmmusik (wieder) vermehrt das Urteil gegen sie nährt, sie würde nur im Filmzusammenhang ihre Funktion erfüllen und böte darüber hinaus kein Potential als musikalisches Werk. Die aktuellen Blockbuster-Hitmusiken scheinen auch genau das zu tun. Klar, die Miete muss bezahlt werden, der Film braucht eine "emotionale Komponente", aber dieser (natürlich auch produktionstechnisch bedingte) Weg des geringsten Widerstandes in der (kommerziellen) Filmindustrie - und damit auch der Musik - verhagelt mir seit mehreren Jahren die Lust, am zeitgenössischen Kommerzkino zu partizipieren.