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Mephisto

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  1. Also, Sinn dieses Threads war nicht, dass ich hier eine Ein-Mann-Show zum Thema Spaghetti-Western schmeiße, insofern begrüße ich jeden Diskussionsteilnehmer. Der Begriff "Genre-Musik" ist ja auch sehr breit gefächert, da können neben Peplum und Western ja auch die Polizei oder Giallo-Streifen rein. Wie gesagt: Freue mich über jeden Beitrag hier und ich denke, das geht den anderen Interessierten auch so. Zum weiteren Verlauf: Es kommen noch acht Besprechungen insgesamt. Tatsächlich folgen noch zwei Nicolais, dann liegt hier noch ein Fidenco rum, den ich anschließend zwischenschieben werde, bevor es mir Rustichelli weitergeht (3x) und de Masis SETTE DOLLARI SUL ROSSO dann den Abschluss macht.
  2. Ich denke wirklich, ihr habt da kurz aneinander vorbei geredet und kann somit Euch beiden zustimmen: SPARA, GRINGO, SPARA werde ich mir beispielsweise kaum bis gar nicht mehr als ganze CD durchhören, das Hauptthema macht als solches allerdings echt Spaß. Es ist ja alleine schon bezeichnend, dass viele Komponisten vollständigen Veröffentlichungen ihrer eigenen Musiken nicht trauen. John Williams erarbeitet sich ja immer sehr sorgfältig seine Albumversionen, Goldsmith hat teilweise ganze CD-Veröffentlichungen verhindert (THE VANISHING) und ich hab' mir sagen lassen, dass auch Morricone eigentlich weniger Musik auf der CD zu IL MIO NOME E NESSUMO haben wollte als letzten endes drauf gelandet ist. 100.000 DOLLARI PER RINGO war für mich bisher ein Ausnahmeerlebnis in diesem Genre. Stefan, gehe ich recht in der Annahme, dass es derartige Musik wohl kaum noch bei anderen Italowestern gibt? Ich habe die Musik nunmal in der anscheinend kompletten Fassung kennengelernt und weiß auch diverse Spannungshalter zu schätzen, die im Vergleich zur alten Ausgabe hinzugekommen sind. Nicolais Themenverarbeitung reicht nämlich weit in derartige Passagen hinein, dass man da noch genug entdecken kann außer Streichertremoli, ein paar frgamentarischen Melodieeinwürfen und Gitarrengeschrammel wie ich es in den letzten Wochen unzählige Male hören durfte. Ich war tatsächlich so wenig an Actionmusik in Italowesternscores gewöhnt, dass ich mir bis jetzt keine "glaubwürdigen" Bilder zu diesen Actionfeuerwerken vorstellen kann. Vielleicht sollte ich mir den Film einfach mal aus Neugierde ansehen. Danke noch einmal für die ganzen Anmerkungen und die ganzen Hilfestellungen, wenn mir mal wieder Schnitzer unterlaufen!
  3. 100.000 DOLLARI PER RINGO - BRUNO NICOLAI 100.00 DOLLARI PER RINGO war der dritte Film der RINGO-Reihe, die mit diesem Film um einen neuen Hauptdarsteller und einen neuen Komponisten bereichert wurde. Die ersten beiden Teile der Reihe hatte Ennio Morricone vertont, für 100.00 DOLLARI PER RINGO zeichnet sich Bruno Nicolai verantwortlich, ein enger Freund und Mitarbeiter des italienischen Großmeisters Morricone. Mir sind alle drei RINGO-Filme bisher unbekannt, auch die Morricone-Musiken kenne ich nicht. Es fällt mir aber schwer zu glauben, dass dessen Musik Nicolais Komposition noch weithin übertreffen kann, denn 100.00 DOLLARI PER RINGO ist eine absolute Ausnahmemusik was das Italowesterngenre betrifft. Der Film kam bereits 1965 in die Kinos, als der italienische Western noch in den Kinderschuhen steckte und sich offensichtlich zu einem Großteil am amerikanischen Vorbild orientierte, bevor Regisseure wie Leone und Corbucci dem Italowestern seine Eigenheiten verliehen. Somit legte Bruno Nicolai für 100.00 DOLLARI PER RINGO eine ausladende Orchesterpartitur vor, die meiner Erfahrung nach in diesem Genre Ihresgleichen sucht, denn der Komponist schrieb eine ausladende und facetten reiche Musik und stellt mit dem versierten Umgang mit dem Orchesterapparat sein Können unter Beweis. Nicolai entwarf für seine Musik eine Fülle von Themen, die allesamt die zeitlich umfangreiche Musik in verschiedenen Variationen durchziehen. Den Kern der Musik bildet natürlich das Hauptthema für den Titelhelden, das ganz traditionell in Form einer Ballade eingeführt wird: Ein Mundharmonikasolo eröffnet das Stück, bevor der Sänger die erste Strophe, basierend auf dem A-Teil des Ringo-Themas intoniert. Der Refrain stellt somit den B-Teil des Themas da, hier zieht Nicolai auch den Chor hinzu, der mit lang gezogenen Vokaliesen und kurzen „Ringo“-Einwürfen der Musik eine zusätzliche nostalgische und getragene Atmosphäre verleiht. Die Ballade für Ringo erklingt auch im weiteren Verlauf in instrumentaler Form, teilweise wird dann die Gesangspartie von der Gitarre oder den Hörnern übernommen. Bereits im zweiten Stück „Sfida Eroica“ entfesselt Nicolai die ganze Kraft des Orchesters. In diesem furiosen Actionfeuerwerk treten zwei musikalische Elemente in den Vordergrund: Ein Staccato-Motiv der Streicher und Holzbläser, die eine längere Melodielinie im Blech vorantreibt. Nicolais handwerkliches Können offenbart sich nicht zuletzt in der Variation seiner Themen, wenn z.B. das eckige Staccato-Motiv in Nr. 3 „Cadenza Funebre“ zum Schluss getragen in der Solo-Klarinette erklingt oder die kraftvolle Blechbläsermelodie in der ersten Hälfte von Nr. 4 „Repressione Violenta“ sanft vom Horn vorgetragen wird. Ein weiteres wichtiges Motiv in Form einer aufsteigenden Folge von drei Tönen, die anschließend fortgesponnen wird, führt Nicolai in Nr. 5 „Tumulti“ ein. Dieses Motiv entwickelt sich als Gegenstück zum Hauptthema zu einem der wichtigsten musikalischen Bestandteile, so wird es beispielweise in Nr. 16 „Paura di Morire“ und Nr. 22 „Invocazione Drammatica“ direkt dem Ringo-Thema gegenübergestellt. Eine getragene Melodie der Solo-Klarinette etabliert Nicolai in Nr. 11 „Il Volto Nascosto“, die in Nr. 19 „Attesa Inutile“ und Nr. 23 „Il Volto Nascosto (version 2)“ auch in den Streichern erklingt. Das Klavierthema aus Nr. 12 „100.00 $ per Ringo“ erinnert mit seinem klassizistischen Charakter durchaus an ähnliche Einfälle Morricones. Doch nicht nur melodisch-thematisch, auch instrumentatorisch ist 100.00 DOLLARI PER RINGO weit über Durchschnitt gearbeitet, allerdings steht der Tutti-Klang häufig im Fokus. Abgesehen von einigen Takten Flötensolo und den Klarinettensoli in beiden Versionen von „Il Volto Nascosto“ spielen die Holzbläser kaum eine wichtige Rolle, auch die Streicher und das Blech erklingen fast immer in sattem Tutti. Wollte man nun unbedingt ein Haar in der Suppe finden, so könnte man dem Komponisten höchstens vorwerfen, die Actionmusik durch die funktionalen motivischen Ideen sehr anonym gestaltet zu haben, einzig in Nr. 14 „Repressione Violenta (Version 2)“ wird eine Actionmusik hauptsächlich mit dem Ringo-Thema in strahlendem Blech über treibendes Spiel der restlichen Insrumente bestrittten. 100.00 DOLLARI PER RINGO ist so reichhaltig und abwechslungsreich gestaltet, dass die drei verzichtbaren Suspense-Passagen in Nr. 9 „Colt in Aguato“, Nr. 20 „Minaccia di Vendetta“ und Nr. 22 „Minaccia di Vendetta (Version 2)“ absolut zu verschmerzen sind. Die größten Actionfeuerwerke fackelt der Komponist tatsächlich bereits im ersten Drittel ab, in dem auch die meisten Variationen der „Ballade für Ringo“ zu hören sind, bevor anschließend mit den beiden neuen getragenen Melodien in Nr. 11 und Nr. 12 etwas Ruhe einkehrt und motivisch-thematische Suspense mehr Raum einnimmt. Da ich den Film nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, ob die CD chronologisch sequenziert ist, die Titel sind – für derartige Alben üblich – sehr anonym gehalten. Teilweise scheinen sie auch nicht wirklich Sinn zu ergeben, so verbirgt sich theoretisch unter Nr. 18 „Incontro di Fuoco“ eine dritte Version von „Sfida Eroica“ (Nr. 2 und Nr. 7), allerdings um ein zweitaktiges, fast kletzmerhaftes Klarinettensolo bereichert, das auch in Nr. 22 „Invocazione Drammatica“ wieder erklingt. Der Titel von Nr. 25 - „Paura di Uccidere (Version 2)“ - irritiert ebenfalls, da es keine Originalversion zu „Paura di Uccidere“ gibt, höchstens Nr. 16 „Paura di Morire“, aber dieses Stück ist mit jenem hörbar nicht verwandt. Abgesehen davon handelt es sich allerdings um ein hervorragendes Album, das anscheinend sämtliche für den Film aufgenommene Musik enthält. Somit ist diese Veröffentlichung um eine halbe Stunde länger als die originale CAM-CD und ich kann mir vorstellen, dass es für einige Hörer ermüdend sein wird, sich alle 70 Minuten am Stück anzuhören. Allerdings habe ich auch nach dem fünften Hördurchgang noch weitere kleine Details entdecken können und sind mir noch so manche Variationen aufgefallen, sodass ich fast kein Stück von dieser CD missen möchte. Zur Not kann man sich den alten Albumschnitt ja auch fast wieder zusammenstellen. Man hört den Aufnahmen natürlich an, das sie mittlerweile 50 Jahre auf dem Buckel haben, allerdings scheint GDM das Beste aus den Bändern herausgeholt zu haben. Die Aufnahmen wurden der damaligen Mode nach mit einer zusätzlichen Portion künstlichen Halls versehen, der das Orchester noch größer und wuchtiger klingen lässt, als es vermutlich war, allerdings verschwimmen dadurch auch einige instrumentatorische Feinheiten. Die Klangqualität variiert zwischen den einzelnen Stücken, es wird aber niemals störend. Leider war 100.00 DOLLARI PER RINGO nur als Ausgabe des GDM Clubs erhältlich, der mittlerweile eingestellt wurde, sodass mit einer Neuauflage auch nicht zu rechnen ist. Die Musik ist in einer japanischen Ausgabe mit identischem Inhalt erhältlich, allerdings sind mit dem Import hohe Kosten verbunden. Die GDM-Ausgabe ist ärgerlicherweise kaum noch über Händler zu beziehen und im Second-Hand-Bereich wurden die Preise für dieses Album spürbar angezogen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass dieser Schatz einmal wieder regulär erhältlich sein wird, denn bei 100.00 DOLLARI PER RINGO kommen nicht nur Italowesternfans voll und ganz auf ihre Kosten!
  4. Das kann ich mir denken. Hast Du vielleicht dennoch weitere Empfehlungen im Bereich der italienischen Filmmusik (momentan sind wir ja noch beim Western), die hier noch nicht zur Sprache gekommen sind?
  5. Eine schöne Suite! Hast Du eventuell noch mehr Italowesternmusik, die Du hier mit uns teilen möchtest? Jürgen: Ein sehr interessanter Beitrag, danke dafür! Ich werde das Album im Hinterkopf behalten, auch wenn es, wie Du bereits geschrieben hast, nicht oberste Priorität hat. Ich selbe habe jetzt langsam alle Alben, die mir hier empfohlen wurden, erhalten und setze nachher einmal meine Besprechung fort
  6. Ich stimme ihm absolut zu, wenn er beklagt, dass die Natürlichkeit verloren geht. Danke für diesen Interviewschatz. Es ist immer wieder bewundernswert, was Du aus Deinem Archiv hervorholst
  7. Das Problem bei diesen Nahaufnahmen ist eben gerade dieser unnatürliche Klang. Insbesondere bei den Streichern macht sich das bemerkbar, die in der Filmaufnahme sehr schrill sind. Noch schlimmer ist das ja bei LOGANS RUN in "A Little Muscle", wo sich die Solostreicher wie E-Violinen anhören. Der Witz bei diesen Aufnahmen war ja, das fast jedes Instrument ein Mikrophon bekommen hat und dann am Mischpult alles nochmal beeinflusst wurde. Das, was Du als "verwischten Konzerthallenklang" bezeichnest, ist nun mal die natürliche Umgebung, für die orchestrale Musik (und da zähle ich jetzt CAPRICORN ONE dazu) schon immer konzipiert und aus dieser auch gewachsen ist. Ich unterstelle Dir jetzt einmal, dass Du selten in Livekonzerte gehst und daher auch durch viele überproduzierte Aufnahmen vom natürlichen Klangcharakter entwöhnt bist. In der Filmaufnahme finde ich die Balance auch nicht so zufriedenstellen wie in der Neuaufnahme. Was aber die meisten an der Neuaufnahme reizt, ist Goldsmith neues Arrangement vieler Stücke. Dieses ewige "Start-Stop" in den Actionsequenzen wurde durch einen viel besseren musikalischen Fluss ersetzt.
  8. CODENAME: U.N.C.L.E. Es wird zwar heutzutage keinen interessieren, da die Originalserie in Vergessenheit geraten ist, dennoch halte ich es für wichtig, diesen Film in Hinblick auf die Vorlage zu betrachten und in dieser Hinsicht ist CODENAME: U.N.C.L.E. eine absolute Katastrophe. Das liegt natürlich auch daran, dass der Film als Prequel zur Serie aufgebaut ist, die Organisation U.N.C.L.E. also erst zwanzig Sekunden vorm Abspann gegründet wird. Dass man damit aber die wichtigsten Faktoren, die die TV-Serie ausgemacht haben, zugunsten einer Marketingstrategie (der zweite Teil scheint schon vorprogrammiert) vollkommen aushebelt, nimmt man dabei in Kauf. Also einmal zurück zur Originalserie: Was ist U.N.C.L.E.? - Eine weltumspannende Organisation, in der Agenten unterschiedlichster Nationen Hand in Hand zusammenarbeiten, um weltweite Stabilität zu garantieren. Dass ausgerechnet ein amerikanischer und ein russischer Agent die Hauptpersonen in dieser Serie waren und zu einem großen Teil den gleichen Anteil an den jeweiligen Abenteuern hatten, ist in Hinblick auf die damalige politische Situation bemerkenswert. Bereits hier verbockt der Film eine ganze Menge! In Anbetracht der heutigen politischen Lage und der Tatsache, dass "der böse Russe" wieder salonfähig ist und insbesondere von den öffentlich rechtlichen Medien als Feindbild propagiert wird, käme eine akkurate Verfilmung des Originalkonzepts nicht ungelegen. Peinlicherweise dichtet CODENAME: U.N.C.L.E. seinen Protagonisten eine völlig überflüssige Vorgeschichte an: der smarte Napoleon Solo wird zum Ex-Kunstdieb, der gezwungenermaßen für den Geheimdienst arbeitet, weil er sonst fünfzehn Jahre im Knast absitzen müsste. Wirklich ärgerlich wird es aber bei seinem russischen Kollegen Ilya Kuryakin. Dem wird nicht nur eine dumme "Mein-Vater-sitzt-im-Gulag"-Geschichte angehängt, er selber wird auch noch zum Psychopathen und aggressiven Choleriker (!!!) gemacht. War es wirklich nötig, diesen entscheidenden Aspekt um 180° zu drehen? Als wenn das nicht reicht: U.N.C.L.E. ist laut des neuen Kinofilms eine Gruppierung von drei Agenten unter einem Chef. Wo bleibt da das globale Ausmaß, die große Organisation, die einem so gefährlichen Gegner wie dem Terrorverband T.H.R.U.S.H. überhaupt gewachsen ist? Es würde mich ja nicht wundern, wenn eine Fortsetzung erscheint, in der T.H.R.U.S.H. aus lauter durchgeknallten Arabern besteht... Auch des Weiteren leistet sich der Kinofilm erheblich Schnitzer und überschreitet insbesondere mit der von Sylvester Groth gespielten Figur des Altnazis Rudi Teller eine Grenze. Eine Geschichte um eine Altnaziorganisation, die eine Atomwaffe in ihren Besitz bringen will, klingt vielversprechen für einen Agentenfilm, der in den 60er Jahren spielt, aber eine solche Szene wie im Folterkeller des Ex-KZ-Doktors Tellers geht meiner Ansicht gar nicht. Nicht nur, dass man hier mit Küchenpsychologie versucht, noch einmal schnell das Phänomen "KZ-Arzt" übers Knie zu brechen (ein Versuch, der nur schief gehen kann), nein, diese Szene wird minutenlang für dumme Lacher ausgenutzt, um anschließend ebenfalls einem perfiden Sadismus zu erliegen - widerlich. Immerhin, der Film bleibt meiner Meinung nach angenehm auf dem Boden. Wenn man sich Ritchies letzte Regiearbeit - SHERLOCK HOLMES 2 - ansieht, war ich sehr erleichtert, dass CODENAME: U.N.C.L.E. nicht dem ewigen "größer-schneller-besser"-Hype erlegen ist (auch in dieser Hinsicht bin ich gegenüber einer möglichen Fortsetzung sehr skeptisch). Stilistisch kann sich der Film nicht entscheiden, ob er ein Film der 60er sein will oder ein Film, der in den 60ern spielt. So pendelt CODENAME: U.N.C.L.E. immer wieder zwischen knallbunten Szenen im 60er-Look (die grandios fotografierte "Scotch-Szene") und verwackelten, graugrünen Abschnitten hin und her. Immerhin kokettiert der Film nicht mit einer plumpen Augenzwinker- und mit-dem-Ellenbogen-anstups-Selbstironie, sondern nimmt sich ernst genug und setzt auch auf eine gewisse Dramatik. Charmante Sprüche und dumme sexuelle Anspielungen gehören natürlich in das Sujet und sind auch meiner Meinung nach gut eingebaut. Dafür scheitert Ritchie mit dem anscheinend ironisch gemeinten Umgang filmischer Stilelemente aus dieser Epoche: Die ganzen Splitscreenmassaker gehen einem recht schnell gehörig auf den Zeiger und diese ewigen Rückblenden, in denen erst fünf Minuten später enttarnt wird, worüber eigentlich gesprochen wurde, verlieren schnell an Reiz und lassen vermuten, der Regisseur traue der Geschichte, die er erzählt, nicht zu, spannend genug zu sein. Schauspielerisch hat der Film keine großen Anforderungen an seine Schauspieler, weshalb fast alle Figuren ziemlich leblos bleiben. Henry Cavill lässt in fast keiner Sekunde den spielerischen Charme durchblitzen, den Robert Vaughan als Napoleon Solo an den Tag legte, über Armie Hammers Rolle habe ich mich bereits geäußert. Einzig Elizabeth Debicki scheint ihre Rolle als strippenziehende Femme Fatal sichtbar Spaß zu machen. Unter dem Strich ist CODENAME: U.N.C.L.E. nicht nur in Hinblick auf die Vorlage sondern allgemein eher eine Enttäuschung und ein insgesamt ärgerlicher Film. Inhaltlich teilweise ziemlich ekelhaft, stilistisch unausgegoren. Für einen Samstagabend oder Sonntagnachmittag gerade noch geeignet, ansonsten möchte ich aber davon abraten, diesen Schmarrn zu unterstützen, auf dass wir vor einer Fortsetzung verschont bleiben.
  9. LO CHIAMAVANO TRESETTE...DIOCAVA SEMPRE CON IL MORTO - Bruno Nicolai Wenn man bedenkt, dass der Italowestern sein Zenit 1973 breits überschritten hatte, kommt LO CHIAMAVANO TRESETTE...DIOCAVA SEMPRE CON IL MORTO überraschend frisch daher, wenn man sich drauf einlassen kann. Letzten Endes ist der Film eine reine Zirkusnummer, denn das Gebotene hat kaum mehr etwas mit Selbstironie zu tun. Italowesternstammschauspieler George Hilton überzeugt als trickreicher Revolvermann Tresette, der mit dem rüpelhaften aber gutmütigen Sheriff Bambi einen Goldtransport nach Dallas begleitet und sich auf dem Weg mit allerlei Gesindel herumschlagen muss. Es vergeht kaum eine Minute ohne platte Sprüche und die zahlreichen Schlägereien dauern oft mehrere Minuten. Die finale Konfrontation gipfelt schließlich in einer Tortenschlacht. Wie gesagt: Es kann Spaß machen, wenn man sich drauf einlässt. Bruno Nicolai war als enger Freund und Mitarbeiter Ennio Morricones und viele eigene Filmmusiken dem Italowestern sehr vertraut, hatte sogar bestimmte musikalische Stilmerkmale dieses Genres mit festgelegt. Für LO CHIAMAVANO TRESETTE...DIOCAVA SEMPRE CON IL MORTO schuf er eine sehr poppige Musik mit zahlreichen eingängigen Themen. Das im Vorspann eingeführte Hauptthema besteht aus einer sehr vergnügten Fidel-Melodie, die über eine beschwingte, an Bossa-Nova erinnernde Begleitung der Rhythmusgruppe erklingt. Eine langsam dahintrottende Blockflötenmelodie und ein weiteres lässigeres Thema werden dem Protagonisten zur Seite gestellt, doch damit nicht genug: Bruno Nicolai komponierte auch für diverse Nebencharaktere eigene musikalische Motive wie den kratzenden Tango für Violine und verstimmtes Saloonklavier, der fast immer erklingt, wenn Tresettes Erzfeind Veleno seinen Widersacher einmal wieder zu einem Duell herausfordert. Auch die als Mönche getarnte Banditenbande, die sich neben mehreren anderen Bösewichten das Gold unter den Nagel reißen will, wurde mit einem kurzen Orgelmotiv bedacht. Kleinere Besetzungen und solistische Behandlung einzelner Instrumente – insbesondere der Holzbläser und des Banjos – sind ein wichtiges Merkmal dieser Musik, die sehr leichtfüßig und mit durchgehend eingängigen Themen und Melodien daherkommt. Glücklicherweise verzichtete Nicolai auf jedes Micky-Mousing, sodass sich die Musik auch angenehm außerhalb des Films hören lässt – vorausgesetzt, man kann derart leichter Unterhaltung etwas abgewinnen. Aufgelockert wird der Hörfluss zusätzlich durch eine Variation des Hauptthemas für Saloonklavier und zwei elegantere Salonmusiken für den Maskenball bei Bankdirektor McPherson. Im Film und somit auch auf CD kommt die Musik fast ohne jede Suspense-Musik aus. Einen absoluten Höhepunkt bildet die Spieluhrversion typischer Morricon'scher „Duell-Musiken“ wie „La Reisa Dei Conti“ aus FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR oder „Il Triello“ aus ZWEI GLORREICHE HALUNKEN in „Sequenca 29“. Es ist wirklich schade, dass Nicolai von diesem Stück nicht auch eine „richtige“ Fassung mit Trompete statt Celesta aufgenommen hat. Die Musik wurde 1998 erstmals zusammen mit Auszügen zu UN UOMO CHIAMATO APOCALISSE JOE bei Beat Records veröffentlicht. Alle Themen und auch alle Themenvariationen sind ebenso wie die genannten Source-Musiken auf dieser Auswahl vertreten. 2012 veröffentlichte Beat Records eine erweiterte Einzel-Ausgabe, auf der die Musik nun zu einer knappen Stunde Laufzeit gestreckt wurde – weit mehr als überhaupt im Film zu hören ist, da die kurze Fassung von 1998 mit einer knappen halben Stunde schon fast 85% aller gehörten Musik im Film repräsentiert. Ich kenne die längere Ausgabe nicht und glaube auch nicht, dass sie sich lohnt. Stattdessem empfehle ich zum Doppelalbum zu greifen, zumal UN UOMO CHIAMATO APOCALISSE JOE die weitaus interessantere der beiden Musiken ist und auch hier die Erweiterung nicht von nöten (siehe oben). LO CHIAMAVANO TRESETTE...DIOCAVA SEMPRE CON IL MORTO ist nicht nur filmisch gesehen sondern auch musikalisch überaus leichte Kost. Als Dreingabe zum wirklich gelungenen UN UOMO CHIAMATO APOCALISSE JOE ist das nicht verkehrt. Für beide CD-Ausgaben wurden anscheinend wieder mehrere kürze Passage zu längeren Stücken kombiniert und außerdem die Musik nicht in der chronologischen Filmreihenfolge angeordnet. Hier ein kurzer Überblick über die Albumzusammenstellung von 1998: 01 – Saloonschlägerei/Vorspann 19 (00:00 – 00:40) – Die drei Speedy Fingers 25 (00:00 – 00:30) – Veleno 20 (01:06 – 01:52) – Das Doppelzimmer 25 (00:30 – 02:02) – Die Sizilianer 19 (00:40 – 01:10) – Der Bürgermeister und Sheriff Bambi 29 (00:00 – 00:37) – Vor dem Tresorraum 24 (00:00 – 00:53) – Der falsche Mönch 23 – Saloonklavier 26 – Tresette kämpft gegen Bill 21 – Ankunft im Kloster 20 (00:00 – 01:06) – Tresette und die Mönche 29 (00:37 – 01:36) – Duell 27 (00:00 – 01:15) – Im Gefängnis 22 – McPhersons Empfang I 28 – McPhersons Empfang II 24 (00:53 – 01:40) – Umzug 30 – Planwagenfahrt 31 – Finale
  10. UN UOMO CHIAMATO APOCALISSE JOE – Bruno Nicolai Der deutsche Verleihtitel SPIEL DEIN SPIEL UND TÖTE, JOE ist durchaus akkurat, handelt es sich bei dem Protagonisten, der erstaunlicherweise nicht in Django umbenannt wurde, um einen wandernden Schauspieler. Leider ist dieser wie auch einige weitere originelle Einfälle viel zu unausgegoren, als dass ansatzweise verständlich wird, warum Joe einerseits Shakespeare zitiert und andererseits während seiner Vorstellung Pistoleros durch den Requisitentotenkopf erschießt, wie wir es im Vorspann zu sehen bekommen. Derartige Elemente, die sich auszubauen lohnen würde, um sich von einer Vielzahl gleicher Italowestern abzusetzen, werden allerdings durch die zeitlich extrem ausgekosteten Schießereien im Keim erstickt. Mehr als die Hälfte der Spieldauer sehen wir dem Protagonisten und seinem Helfer, einem alkoholsüchtigen, aber gewitzten Barbier dabei zu, wie sie einen Banditen nach dem anderen möglichst effektvoll abknallen. Besonders während des dreißigminütigen Showdown beginnt man sich allmählich zu fragen, wo Bösewicht Berg denn immer neue Handlanger herzaubert, die dem Protagonisten als Schießbudenfiguren dienen können. Ein verzichtbarer, in seiner Plumpheit fast schon ärgerlicher Streifen. Ganz anders verhält es sich da mit der Musik Bruno Nicolais, der eine einfallsreiche und unterhaltsame Vertonung zu dieser Ballerorgie komponierte. Der Komponist wandelt unmissverständlich auf den Pfaden Morricones, kaum ein Klischee der Italowesternmusik wird ausgelassen. Dennoch begnügt sich Nicolai nicht mit einem bloßen Flickenteppich aus Anspielungen und Plagiaten, sondern schuf eine in sich konsistente und gehaltvolle Musik. Bereits in der dreiminütigen Vorspannmusik etabliert der Komponist mehrere thematische Einfälle in typischem Gewand: Ein Ton der E-Gitarre eröffnet die Musik, bevor sich das Hauptthema des Protagonisten in der Blockflöte über die Begleitung einer Mandoline legt. Es schließt ein weiterer melodischer Gedanke im Fagott an, das in hoher Lage mit den warmen Streicher einen weichen Klang erzeugt. Daran schließt ein kurzes schnelleres Thema in der E-Gitarre über den treibenden Rhythmus der tiefen Streicher und der kleinen Trommel an, bevor noch einmal die lyrische Fagott-Melodie erklingt, nun ebenfalls über das treibende Rhythmische Fundament und ausladende im Orchestertutti. Es ist auffallend, dass Nicolai auf übliche Italowestern-Gimmicks wie Tiergeräusche, Peitschenknallen etc. verzichtet. Die wichtigste Stellung nimmt natürlich das erste Thema, das von der Blockflöte vorgestellt wurde, im weiteren Verlauf der Komposition ein. Es begleitet, meistens in derselben Instrumentierung, den Protagonisten bei Ritten, Beobachtungen und anderen Handlungen. Dem gegenübergestellt ist das Thema für den Bösewicht und Unterdrücker der kleinen Stadt Landberry, das meistens in der kernigen E-Gitarre über einen beständigen Rhythmus der Streicher erklingt. Wie auch im Vorspann ist es insbesondere der Einsatz der E-Gitarre, der bei dieser Musik an den Großmeister Morricone erinnert. Das Thema für Bergs Bande erklingt aber ebenfalls über den typischen „Ritt-Rhythmus“, wenn sich die Banditen für den großen Showdown nähern. Hier legt Nicolai es dann in die Blechbläser. Außerdem entwarf Bruno Nicolai ein kleines Seitenthema für Joes Nebenberuf als Schauspieler, das mit seiner statischen Harmonik und der archaischen Melodieführung etwas durchaus „urtümliches“ oder „archaisches“ hat. Dieser Eindruck wird insbesondere durch die Instrumentierung verstärkt wie beispielsweise durch den Einsatz des Tamburins. Wegen der unheimlich großen Anzahl diverser Schießereien musste der Komponist einen großen Anteil an Suspense-Musik komponieren. Für die Szenen in der Goldmine zu Beginn des Films reichert Nicolai seine Suspense-Passagen mit einzelnen fragmentarischen Motiven in den Holzbläsern mit schillernden Belltree-Glissandi an. Ansonsten gibt es die üblichen nervösen Klangholzschläge, angerissene Gitarrenakkorde und einzelne dumpfe Einwürfe des Schlagzeugs. Auch wenn SPIEL DEIN SPIEL UND TÖTE, JOE nicht mit Musik zugekleistert ist, so ist sie sehr präsent eingesetzt. Sie wertet den Film ohne Frage auf, da sie weitaus elaborierter ist als der Rest des Films. Nicolai entwarf genug Themen und Motive, die er ansprechend variierte und versah den Film mit dem Schauspieler-Thema eine wohltuende Portion Witz und Ironie. Bei Beat Records erschien mit über 47 Minuten die fast vollständige Filmmusik auf CD, wobei kürzere Stücke zusammengefasst wurden. Das ergibt in einigen Fällen Sinn, da einige Titel auch im Film aufeinanderfolgen wie die beiden Stücke, die in „Sequenza 05“ zusammengefügt wurden, oder weil sie thematisch miteinander verwandt sind wie in „Sequenza 12“. Allerdings ist es fraglich, ob es dem Hörfluss so gut tut, wenn drei kürzere Suspense-Passage zu einer einer einzigen fast fünfminütigen Aneinanderreihung zusammengefasst werden. Man kann Nicolai den hohen Suspense-Anteil nicht vorwerfen, allerdings würde es dem Album nicht schaden, programmierte man Nr. 12 einfach heraus. Dass die Stücke hinsichtlich der Filmreihenfolge aus der Chronologie gebracht wurden, ist hingegen kein negativer Aspekt, weil das Album so abwechslungsreicher geworden ist. 2012 veröffentlichte Beat Records eine siebene Minuten längere Fassung, die ich nicht kenne. Ich gehe aber davon aus, dass die Musik hier nicht mehr gewinnen kann und man ruhig beim alten Album bleiben kann, zumal dieses mit LO CHIAMAVANO TRESETTE...GIOCAVA SEMPRE CON IL MORTO eine weniger interessante, aber nette Dreingabe enthält. Auch in der neuen Fassung dürften wieder einzelne Titel zusammengefasst worden sein. Und hier noch die Filmreihenfolge: 01 – Vorspann 02 – Joe reitet nach Landberry 09 – Saloonklavier 08 – Joe beobachtet die Mine 12 (02:09 – 02:50) – Joe und der Sheriff 04 – Bergs Männer reiten in die Stadt 12 (01:22 – 02:09) – Konfrontation im Saloon 10 – Bergs Männer im Saloon 03 – Einer nach dem anderen 11 – Der Schausteller 05 – Bruder Joe/MacBeth 14 (00:00 – 00:27) Nach der Vorstellung 15 – Berg bei den erschossenen Bandenmitgliedern/Berg erschießt Sheriff Floyd 14 (00:27 – 01:35) Floyds Leiche erreicht die Stadt 06 – Bergs Bande reitet zur Stadt I 07 – Bergs Bande reitet zur Stadt II/Joe erwartet die Banditen 13 – Die Banditen treffen in Landberry ein 12 (02:50 – 04:30) – Zum Saloon 12 (00:00 – 01:22) – Ritas Tod 16 – Feuer 17 – Bergs Tod/Finale
  11. Das kann ich absolut nachvollziehen. Ich persönlich bin zwar auch schon lange dabei, aber eben weniger bei den italienischen Labels. Insofern muss ich tatsächlich nichts doppelt kaufen, weil mir fast alles aus dieser Reihe noch fehlt. Insofern ist es in meinem Fall ein gutes Preisleistungsverhältnis, da ich sonst locker um die 40 bis 45 € für zwei Alben bezahlen würde, die ich jetzt um 25€ bekomme. GDM hat halt genug Rechte, um sich auf Morricone auszuruhen, schade, dass sie so wenig aus ihren anderen Sachen machen.
  12. Die habe ich auch schon ins Auge gefasst, allerdings gehe ich davon aus, dass die Morricone-Musiken bald in der "Doppeldecker"-Reihe von GDM neu aufgelegt werden und wollte da ein bisschen warten. Ich habe nämlich viel zu wenig Morricone und wollte diese Doppel-CD-Reihe nutzen, meine Sammlung bei einem guten Preisleistungsverhältnis weiter aufzustocken. Bisher sind ja schon einige Westernmusiken in dieser Reihe erschienen wie FACCIA A FACCIA oder LE PISTOLE NON DISCUTONTO. Mit den letzten vier CDs habe ich auch schon ältere Einträge hier noch einmal "abgearbeitet", bevor es heute mit Bruno Nicolai weitergeht.
  13. IL VENDITORI DI MORTE - Mario Migliardi Bei diesem in Deutschland unter dem Titel 1000 DOLLAR KOPFGELD verliehenen Film handelt es sich um einen Westernkrimi: Klaus Kinski sitzt als Chester Conway im Gefängnis und wird zum Tode verurteilt, weil er an einem Saloonüberfall beteiligt gewsen sein soll, der eine Prostituierte und den Barmann das Leben gekostet hat. Die Saloonbesitzerin Polly hasst Conway so sehr, dass sie Mr Silver, einen revolverschwingenden Privatdetektiv engagiert, der Conways Unschuld beweisen soll, weil sie ihn nicht der Justiz überlassen will. Mr Silvers Ermittlungen kosten einigen Stadtbewohnern das Leben, bevor sich endlich der wahre Täter zu erkennen gibt. Insgesamt handelt es sich bei IL VENDITORI DI MORTE zwar um kein Meisterwerk, aber um unterhaltsame anderthalb Stunden. Wie gewohnt ist Kinski letzten Endes nicht so häufig zu sehen, wie Vorspann und Plakat es einen glauben lassen, stattdessen steht Gianni Garkos Charakter des abenteuerlustigen Mr Silver im Vordergrund. Mario Migliardis Musik zum Film ist überaus unspektakulär, manchmal sogar unpassend, wobei das nicht immer die Entscheidung des Komponisten gewesen sein muss. Es scheint so, als hätte Migliardi mehrere Stücke aufgenommen, die im Nachhinein auf den Film gelegt wurden. Mehrere Passagen, die aufgenommen wurden, sind nicht im Film zu finden, andere wiederum wurden mehrfach eingesetzt. Viele Stücke wurden nur auszugsweise im Film verwendet. Dass sie immer für die jeweiligen Szenen zurechtgestutzt werden mussten, sich teilweise in mehrere unterschiedliche Szenen einfügen lassen und in sich stets eine sehr gschlossene Form haben weist darauf hin, dass sie unabhängig vom Film aufgenommen wurden. Die Musik selber ist mit offensichtlich sehr gerngem Bugdet entstanden: Streicher fehlen völlig und Bläser sind nur solistisch besetzt. Durch den häufigen Einsatz des Schlagzeugs, des Einsatzes und der E-Orgel bekommt die Musik häufig einen poppigen Anstrich. Ich würde die Musik nicht völlig verurteilen wollen, insbesondere das melancholische Hauptthema in der Solotrompete über dezente Schlagzeugbegleitung und die sehr schmissige Gitarrenmusik für die Reitszenen mit Mr Silver machen schon Spaß anzuhören. Viele Stücke jedoch bleiben sehr eintönig und öde, bieten an sich schon nicht viel interessantes musikalisches Material und verlieren stets über ihre gesamte Laufzeit an Spannung. Das primitive Getrommel, das wahrscheinlich für die Schlägereien unter den Goldgräbern gedacht war, kann einem ebenso schnell auf die Nerven gehen wie die elektronischen Passagen, von denen glücklicherweise nur sehr wenig auf der CD vertreten sind. In der insgesamt 53 Minuten langen Fassung kann man sich das Album getrost sparen. Das Hauptthema und zwei, drei andere Stücke wären es wert, auf einem Sampler veröffentlicht zu werden, aber so wirkt die CD nur ermüdend und anstrengend. GDM hat vermutlich alles, was sie kriegen konnten, auf die CD gepresst, sodass mehrere Stücke, die nicht im Film zu hören, sind, es auf das Album geschafft haben. Von den elektronischen Passagen, die nicht auf der CD vertreten sind, haben vermutlich die Bänder nicht mehr überlebt. Hier noch ein kleiner Vorschlag für eventuelle Titelnamen: 01 – Vorspann 15 – Vorspann (alternativ) 02 – Der Mord 04 – Saloon-Musik I 05 – Überfall 06 – Chester Conway und sein Anwalt 14 – Das Urteil 07 – Nach dem Zweikampf 10 – Mister Silver reitet in die Stadt 08 – Schlägerei unter den Goldgräbern I 19 – Saloon-Musik II 18 – Mister Silver im Gefängnis 03 – Mister Silver verfolgt den Attentäter 13 – Nächtlicher Besuch 16 – Der Lauscher 12 – Stiefel 23 – Mr Silver reitet 24 – Schlägerei unter den Goldgräbern II 22 – Mr Silver und der Goldgräber in der Stadt/Der Anschlag 20 – Leere Seiten 25 – Finale 09 – Nicht verwendet 11 – Nicht verwendet 17 – Nicht verwendet 21 – Nicht verwendet
  14. IL VIGLIACCHI NON PREGANO - Gianni Marchetti Mit SCHWEINEHUNDE BETEN NICHT ist dieser Film einigermaßen akkurat übersetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Italowestern bietet IL VIGLIACCHI NON PREGANO eine interessante Ausgangsposition: Der Südstaatler Brian Clark wird nach Kriegsende von Soldaten der Nordstaatenarmee überfallen. Seine Freundin wird getötet und er verliert das Gedächtnis und wird von Daniel gesund gepflegt. Clark entwickelt sich langsam zu einem moralverachtenden Zyniker, der schließlich auch vor Mord und Raub nicht zurückstreckt. Damit spitzt sich der Konflikt zeischen Daniel und Clark immer weiter zu, da letzterer mittlerweile einen Sheriffposten angenommen hat. So interessant das nun auch klingen mag, gelingt es dem Film nicht leider nicht vollständig zu überzeugen. Zu uninspiriert ist die Inszenierung, von einigen optischen Schmankerln einmal abgesehen, und die Darsteller zu wenig ambitioniert. Die Musik schrieb Gianni Marchetti, der für die Produktion nicht nur ein mittelgroßes Orchester, sondern auch einen Chor zur Verfügung hatte. Seine Vertonung gehört zu den besseren Aspekten des Films und weiß auch außerhalb des Films zu überzeugen. Interessanterweise kommt die Musik im Film (und somit auch auf CD) fast vollständig ohne Suspense-Passagen aus. Fast jedes Stück ist thematisch gearbeitet. Insgesamt komponierte Marchetti drei Themen, die immer wieder variiert und hin und wieder auch kombiniert werden. Das während des Vorspanns eingeführte Hauptthema besteht aus einer unterschiedlich rhythmisierten Dreitonzelle, die auch gespiegelt und sequenziert wird. Sie wird oft vom Chor intoniert, mal gepfiffen und mal gesummt. Marchetti gelingt es, diese Melodie als zackiges Marschthema über einem Rhythmus der kleinen Trommel ebenso variieren wie sie in ruhige Momente einzupflegen. In Nr. 4 „Colp Sbagliato“ steigert er das Dreitonmotiv sogar zu einem Morricon'schen Höhepunkt! Das zweite Thema wird stets eingesetzt, wenn geritten wird oder große Landschaftsaufnahmen in Szene gesetzt werden. Von der Gitarre über sanfte Streicherklänge und Chorvokalisen vorgetragen, wächst es zu einem schwelgenden Orchestertutti über einen treibenden Rhythmus der kleinen Trommel und des Tamburins heran, erklingt sanft in der Sologitarre oder auch als Sopranvokalise. Vom Gestus her ist es weitaus mehr den europäischen Westernvertonungen verpflichtet als dem Breitwandbombast der amerikanischen Produktionen. Man könnte ihm gehässigerweise sogar fast eine Nähe zur Schlagermelodie vorwerfen. Das als Liebesmotiv fungierende dritte Thema wird ebenfalls – häufig variiert – zu Gehör gebracht. Häufig erklingt es in der Sologitarre, manchmal aber auch als „Ritt-Musik“ und sogar als „Deguello“-Anspielung in der Solotrompete über rauhe Gitarrenbegleitung. Ein weiteres Merkmal für diese Musik dürfte der häufige Einsatz der Celesta, des Glockenspiels und des Cembalos sein, die in Kombination mit der Gitarre oder anderen Soloinstrumenten einen sehr zarten und zerbrechlichen Eindruck erwecken und sich so zu den orchestraleren Passagen absetzen. Auch der häufige Einsatz des Chors, der ausschließlich textlos eingesetzt wird, verleiht dieser Musik ihren bestimmten Charakter. Gianni Marchetti komponierte für den Film eine große Anzahl sehr kurzer Stücke und nur wenige Titel, die länger als anderthalb Minuten laufen. Diese wurden bereits 1970 mit Auszügen aus der Musik zu SETTE BASCHI ROSSI auf LP herausgebracht, 2006 folgte dann die erweiterte Fassung auf CD. Auf diesem Album ist die frühe LP-Zusammenstellung vertreten, während ein Großteil der restlichen Stücke in die Bonus-Sektion zu finden sind. Hier wurden oft mehr als drei einzelne Stücke unter einem Titel zusammengefasst, um einen fließenderen Hördurchgang zu ermöglichen. Wie so oft finden sich auf der CD alternative Fassungen und im Film nicht gehörte Passagen, während einige wenige Stücke, die im Film zu hören sind, es nicht auf die CD geschafft haben. Ich gehe davon aus, dass das dem Alter der Aufnahmen geschuldet ist und nicht mehr jede Sekunde erhalten war. Wie so oft lässt sich das auch im Falle von IL VIGLIACCHI NON PREGANO verschmerzen, sind doch geschätzt 90% der Musik auf der CD vertreten. Letzten Endes kann ich eine Empfehlung für diese Musik aussprechen, gesetzt man hat etwas für melodiöse Filmmusik mit eingängigen Themen, die in klassischer europäischer Westernmanier gearbeitet sind und ansprechend variiert werden. Selbst bei der knappen Laufzeit von rund 35 Minuten kann es allerdings ermüden, immer wieder nur dieselben drei Themen zu hören. Hier müsste dann jeder für sich eine kürzere Auswahl treffen. Und hier ein kleiner Überblick, wie das Album zusammengestellt ist: 06 – Vorspann I & II 05 (00:00 – 00:53) – Am Lagerfeuer I 14 (00 – 02:10) – Am Lagerfeuer II 01 – Western-Panorama (Daniels Wanderung) 16 – Western-Panorama (Filmversion) 10 (00:17 – 00:34) – Brian rettet Daniel und Robert 13 (01:41 – 02:10) – Ritt zur Stadt 14 (02:10 – 03:05) – Der Farmer wird bestraft 13 (00:00 – 00:44) – Brian erblickt Julie 12 (00:00 – 00:44) – Brian und Daniel reiten 11 (01:55 – 02:30) – Der Kuss 12 (00:45 – 01:15) – Die Banditen kommen angeritten 09 (01:35 – 02:53) – Brian kämpft gegen Tom 15 (00:00 – 00:33) – Nach dem Zweikampf 10 (02:18 – 02:45) – Kopfgeld 11 (01:23 – 01:55) – Brian und Julie I 08 (00:31 – 01:41) – Daniel, Robert und Julie reiten fort 10 (00:34 – 01:25) – Die Gehenkten 11 (00:00 – 00:55) – Brian besucht Julie 15 (00:33 – 01:31) – Brian und Julie II 13 (00:59 – 01:41) – Schatten der Vergangenheit 13 (00:44 – 00:58) – Bankraub 11 (00:55 – 01:22) – Roberts Tod 09 (00:40 – 01:06) – Brians Flucht nach Mexiko 05 (00:53 – 01:25) – Daniel findet Roberts Leiche 08 (00:00 – 00:31) – Daniel findet Roberts Leiche (alternativ) 03 – Daniel verfolgt die Banditen nach Mexiko 09 (01:06 – 01:35) – Die Armee umstellt die Banditen 15 (01:32 – 02:29) – Nachts im Fort 09 (00:00 – 00:40) – Die Armee nimmt die Verfolgung auf 02 – Brians und Julies Flucht 12 (01:15 – 02:36) – Brian im Schacht 04 – Julies Tod 07 – Brians Tod/Finale
  15. SPARA GRINDO SPARA - Sante M. Romitelli Der im Vergleich zum plumpen Originaltitel recht poetische deutsche Verleihtitel IM STAUB DER SONNE spielt auf die zentrale Szene, einen langen Marsch der beiden Protagonisten an: Der Deserteur Chad Stark nimmt vom Rinderbaron Don Miguel den Auftrag an, nach seinem entlaufenen Sohn Fidel zu suchen - angeblich weil er sich um ihn sorgt. SPARA GRINGO SPARA ist letzten Endes ein recht zügig inszeniertes, aber wenig anspruchsvolles Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Protagonisten, in dem Fidel immer wieder versucht zu entkommen und letzten Endes von Chad eingefangen wird. Unterwegs schlagen sich die beiden mit der Banidtenbande des sogenannten "Major" Charlie Doneghan herum, bekommen mit der richtigen Armee Ärger und treffen die schöne Witwe Jocelyn. Sante Romitellis Musik zu diesem unterhaltsamen Western ist überaus poppig geraten, entbehrt aber stellenweise nicht einer gewissen Coolness. Im Fokus steht ein kleines bandartiges Ensemble, das mit E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Cembalo sowie Hammondorgel besetzt ist. Diese Band wird häufig von den Streichern sowie einigen Holz- und Blechbläsern unterstützt. Es überrascht, wie sehr die Musik trotz ihres äußerst anachronistischen Klangcharakters den Film atmosphärisch zu unterstützen mag. Neben den kernigen E-Gitarrenklängen, die man bereits aus anderen Italowestern gewohnt ist, setzt insbesondere die Orgel einige markante Akzente. Insbesondere in dem langen Wüstenmarsch sorgt der flirrende Klang in hoher Lage für die notwendige musikalische Untermalung der brennenden Hitze. Dahingegen sind besonders die Ritt-Musiken sehr poppig geraten, was dem prominenten Einsatz des Schlagzeugs geschuldet ist. Daneben gibt es einige ruhigere Variationen der beiden Hauptthemen für Gitarre und Cembalo sowie eine mexikanisch angehauchte Source-Musik und das unverzichtbare Saloon-Klavier. Auszüge aus der Musik erschienen erstmals zum Filmstart auf LP, bevor GDM anscheinend jede überlebende Sekunde der Aufnahmen veröffentlichte. Letzten Endes wirft diese Präsentation einige Fragen auf. Es scheint so, als hätte Romitelli mehrere Passagen direkt auf den Film komponiert, insbesondere die Musik zum Wüstenmarsch ist derart synchron auf das Bild abgestimmt, dass es direkt für diese Szene geschrieben sein muss. Auf der anderen Seite ist ein großer Teil der auf CD vertretenen Musik im Film nicht zu hören, andere Passagen werden nach rund 20 Sekunden wieder ausgeblendet. Es ist also möglich, dass der Komponist auch mehrere Stücke einfach so aufnahm, die später im Film keine Verwendung fanden. Allein zum Hauptthema existieren drei Fassungen, von denen keine in vollständiger Form zu hören ist. Für die CD wurden mehrere kurze Passagen zusammengefasst, sodas auch innerhalb diverser Titel kurze Passagen auftauchen, die im Film nicht vorkommen. Letzten Endes ist die CD-Präsentation etwas unglücklich geraten, da es durchaus ermüdend sein kann, sich durch eine Stunde Musik z hören, von der ungefähr ein Großteil fühlbares Stückwerk oder alternatives Material ist. Allerdings ist SPARA GRINGO SPARA für mich ein positives Beispiel für eine poppige Filmmusik, die in Auszügen immer wieder Spaß macht, allem voran natürlich das Hauptthema. Dieses ist auch auf dem Album ("Spaghetti Western Encyclopedia Vol. 3" vertreten, die komplette CD eignet sich da weniger zum Durchhören.
  16. AL DI LA' DELLA LEGGE - Riz Ortolani Bei AL DI LA' DELLA LEGGE handelt es sich um einen sympathischen kleinen Western, der sich angenehm von den üblichen Figurenkonzeptionen und Handlungsklischees abhebt, ohne in übertriebene augenzwinkernde und ironische Selbsgefälligkeit zu verfallen. Lee van Cleef gibt hier den freundlichen Betrüger, der das Greenhorn, das er mit seinen zwei Kumpanen ausraubte nun zu unterstützen vorgibt und sich schließlich zum Sheriff der kleinen Minenstadt Silver Town mausert. Bud Spencer ist in einer seiner wenigen Rollen als glattrasierter Unsympath zu sehen, der als Minenchef das Gold über Menschenleben stellt. Die Musik von Riz Ortolani verbindet klassische europäische Stilismen mit dem Breitwandklang Hollywoods. Das Juwel seiner ansprechenden Filmmusik ist ohne Frage das ausladende Hauptthema, das sofort weite amerikanische Landschaften, lange Ritte und kleine Westernstädte vor dem geistigen Auge zaubert, ohne jedoch auf typische Copland-Maniersimen zurückzugreifen. In ihren weichen Streicherklängen, dem E-Bass und den Hornlinien klingt die Musik sehr europäisch, weniger auftrumpfend und zackig und erinnert vielmehr an Martin Böttcher als an Tiomkin und Steiner. Das Hauptthema bildet das Zentrum der Musik und ist entsprechend oft zu hören. Meistens klingt es in den Streichern und Bläsern, ist sehr eingängig und wird überraschend wenig variiert. Für die sympathische Gaunerbande um Lee van Cleef komponierte Ortolani eine vergnügte Country-Musik, in der das Thema vom Banjo vorgetragen und dezent von der E-Gitarre, dem E-Bass und zurückhaltendem Schlagzeug begleitet wird. Zusätzlich wird der Hörfluss von diversen Source-Musiken und einem verruchten Song aufgelockert, sodass auch die häufigen Darbietungen des Hauptthemas nicht störend auffallen. Die aggressiven Schläge der Pauke und des Ambosses für den Bösewicht Burton, der zum Schluss den ganzen Kirchenchor als Geisel nimmt, fehlen auf der CD vollständig. Ohnehin ist die Musik nicht komplett, dass das Album dennoch alternative Fassungen von einzelnen Titeln enthält, lässt vermuten, dass alles, was noch zu retten war, auf die CD gepresst wurde. Insesgamt handelt es sich bei AL DI LA' DELLA LEGGE zwar um keinen Pflichtkauf, allerdings wartet die Musik mit einem sehr schönen Thema und weiteren netten Passagen auf, die gekonnt Westernflair verbreiten. Da sieht man dann auch gerne über den Mangel an Variationen des Hauptthemas und die wenig spannenden Suspense-Passagen hinweg. Wer eine möglichst chronologische Filmreihenfolge programmieren möchte, halte sich an diesen Vorschlag: 01 – Vorspann 22 – Vorspann (alternativ) 02 – Vorspann II, Lucy (Mundharmonika), Vorspann III 03 – Die Kassette wird gestohlen, Die Postkutsche trifft in Silver Town ein 04 – Saloonklavier I 24 – Lolas Song 21 – Lolas Song (alternativ) 12 – Lolas Song (Klavier) 05 – Nächtliche Besprechung/Al folgt Ben 06 – Der Plan 08 – Musik bei der Minenkantine 10 – Die Taschen werden vertauscht 09 – Planwagenfahrt und Überfall 07 – Einbruch 13 – Bens Uhr 14 – Grillhähnchen und Revolver 18 – Tanz auf dem Volksfest I 16 – Tanz auf dem Volksfest II 23 – Kirchenchor 19 – Sheriff Cudlip 11 – Als Mundharmonika 15 – Als Mundharmonika (alternativ) 17 – Schießerei bei der Mine 20 – Burtons Tod & Finale
  17. Und für diese zwei Cents bin ich Dir auch sehr dankbar. Aber wie gesagt, es geht hier ja gar nicht um Lavagnino, ich werde mir auch bestimmt keine Westernscores mehr von ihm kaufen, es sei denn, mich überzeugen die Musik im Film oder die Hörproben. Dieser Musik bin ich nicht aus dem Weg gegangen, weil ich den de Masi haben wollte. Da konnte ich die halbe Stunde Lavagnino ignorieren, aber wozu? Die CD war da, die Musik auch. Mehr als zweimal habe ich das auch nicht gehört und werde es bestimmt auch nicht nochmal hören. Auf die Alhambra-Veröffentlichung bin ich gespannt.
  18. Das hat aber einen einfachen Grund: Ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, de Masi sei eine sichere Bank. Nachdem ich mir die CDs angeschafft habe, entpuppten sich mehrere Musiken als Stangenware und wenige als herbe Enttäuschungen. ARIZONA COLT, UNA SPORCA STORIA NEL WEST und auch IL SEGNO DEL COYOTE möchte ich allerdings nicht mehr in meiner Sammlung missen. Als Dreingabe gab es dann auch noch GLI SPECIALISTI, den hätte ich in dieser Reihe ignorieren können, aber warum, ein Verriss macht ja auch mal Spaß. SETTE DOLLARI SUL ROSSO ist flächendeckend vergriffen, Beat selbst weiß noch nicht, ob sie nachpressen und wenn ja, dann erst im Herbst. Die ganzen Empfehlungen hier habe ich berücksichtigt und bin insbesondere was Nicolai betrifft, sehr zuversichtlich. Morgen gibt es dann wieder was zu lesen.
  19. GLI SPECIALISTI - Angelo Francesco Lavagnino Zu diesem Corbucci-Film, der in Deutschland stark gekürzt mit dem Titel FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN in den deutschen Verleih kam, kann ich nicht viel sagen, da ich ihn nicht gesehen habe. Mich wundert allerdings schon, warum Corbucci diese Musik zu seinem Film abgenickt hat bzw. warum ein Film dieses Regisseurs tatsächlich so uninteressant gewesen sein soll, dass Lavagnino auch hier nicht einen Funken Inspiration verspürte. GLI SPECIALISTI gehört zu den Westernmusiken, bei denen nicht eine Sekunde lang Westerngefühle aufkeimen, weil einfach radikal an Genre-Konventionen vorbeikomponiert wurde, allerdings ohne ein nachvollziehbares Konzept. Das Album eröffnet mit einem überaus poppig arrangierten Thema, das vielleicht noch ein bisschen Nähe zu Morricones atmosphärischer Vorspannmusik zu LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG aufweist, mit "Sequenza 2" folgt ein belangloses Suspense-Stück, das mit einer vierminütigen unaufgeregten Komposition abgelöst wird. Warme Streicherklänge, ein paar Paukenschläge und -wirbel, durchtränkt von einigen Mundharmonikaklängen sorgen für eine sanfte Stimmung, die man in Endlosschleife im Hintergrund hören kann, ohne dass sie wirklich auffällt oder stört. Mit "Sequenza 4" und "Sequenza 5" schießt Lavagnino dann den Vogel ab, plötzlich fühlt man sich mit jazzigen Klängen in eine Hafenkneipe oder das Zirkusmillieu versetzt. Klarinette, Posaune, Klavier und Drumset geben hier den Ton an, es swingt und jazzt, bis nach einer weiteren belanglosen Suspense-Passage eine wenig originelle "Mexikana-Musik" erklingt, bevor das Jazz-Ensemble noch einen Auftritt mit einem langsamen Walzer hat. Schließlich hangelt man sich noch über die folgenden Stücke zum Finale, das ebenfalls nicht thematisch, sondern rein stimmungsvoll gehalten ist und mit einem massiven Crescendo beschließt. Letzten Endes eignet sich GLI SPECIALISTI tatsächlich als belangloses Hintergrundgedudel beim Kochen, Putzen etc. Ansonsten möchte ich sparsamen Filmmusikfreunden und insbesondere denen der Westernmusik davon abraten, sich dieses Album anzuschaffen. Auch die mit GLI SPECIALISTI gepaarte Musik Francesco de Masis zu 15 FORCHI PER UN ASSASSINO ist kein so großer musikalischer Wurf, als dass sich der Kauf diesbezüglich lohnen würde.
  20. C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA - Francesco de Masi Kurz nachdem der Italo-Western sein Zenit überschritten hatte, vereinte C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA gleich zwei schießwütige Helden im Kampf gegen das Unrecht und den mexikanischen Banditenführer Mantas. Unermüdlich wurde in Deutschland versucht, den Erfolg unzähliger Italo-Western mit einer Umbenennung des Titelhelden anzukurbeln, was selten gelang. Aus dem Titelhelden Sartana wurde Django und sein vermeintlicher Konkurrent ihm direkt im Titel zur Seite gestellt: DJANGO UND SABATA - WIE BLUTIGE GEIER. Schlecht ist der Film nicht, er amüsiert mit einigen netten ironischen Einschlägen und hübscher Kameraarbeit, kratzt aber wie viele Italo-Western an der Oberfläche und versucht, die konventionellen Handlungslemente mit überzogener Gewaltdarstellung zu kittten. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Francesco de Masi komponierte für C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA eine seiner letzten Westernmusiken. Auch in dieser Musik zeichnet sich wie bei LA SFIDA DEI MacKENNA eine spürbare Übersättigung des Komponisten an diesem Genre aus. Man könnte die Musik getrost als solide bezeichnen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Gitarren-Riff für die erste Hälfte des Vorspanns entbehrt nicht einer gewissen Coolness, das zuerst von der Mundharmonika und anschließend von den Posaunen vorgetragene Hauptthema ist melodisch typisch für de Masis Westernthemen gestaltet, geht aber nicht so direkt ins Ohr wie einige andere Themen, die der Komponist für dieses Genre geschrieben hat. Beim zweiten Teil des Vorspanns wird's dann deutlich poppiger, mit groovigem E-Bass, Drumset und verzerrter E-Gitarre. Die Suspense-Musik hat man so natürlich dutzendmal gehört, hat aber glücklicherweise keinen allzu großen Anteil auf dieser Zusammenstellung. Für Mantas komponierte de Masi außerdem noch ein mexikanisch angehauchtes Thema in der Gitarre, das sanft in ein Tremolo des Marimbas gebettet ist und mehrfach im Film erklingt. Insgesamt kann man sich diese Musik sparen, ein Reinfall ist es trotzdem nicht. Auszüge aus der Musik erschienen zusammen mit IL SEGNO DES COYOTE bei Beat Records, wobei C'E SARTANA...VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA - Francesco de Masi deutlich für das Album bearbeitet wurde. Kürzere Stücke wurden für den Hörfluss zusammengefügt und die ganze Musik ist völlig aus der Filmreihenfolge gebracht. Das tut dem Hörfluss zugegebenermaßen sehr gut, auch die Auswahl der Musik, die auf CD gepresst wurde, ist gut getroffen worden. Hier noch einmal die Filmreihenfolge: 14 (00:41 – 03:49) – Vorspann I 14 (00:00 – 00:41) – Die Banditen fliehen 20 (00:35 – 02:53) – Vorspann II 15 (01:23 – 03:30) – Der Auftrag/Schnapsdame 16 Mantas kämpft gegen seine eigenen Männer 19 (01:15 – 02:08) – Überfall auf Django 15 (00:00 – 01:23) – Die beiden Brüder treffen in Appaloosa ein 18 – Django öffnet den Safe / Trixie wird als Geisel genommen 19 (00:00 – 01:15) – Fahrt im Planwagen 17 – Mantas' Tod 20 (00:00 – 00:35) – Die letzte Konfrontation
  21. Dagegen spricht, wie ich schon schrieb, dass hier dem weißen Mitteleuropäer und dem weißen Amerikanier eine sehr leichte Identifikation möglich gemacht wird: Man kann ganz klar mit dem Finger auf die anderen "bösen Weißen" zeigen, die die Erde zerstören und den Kolonialismus vorantreiben. Man selber rechnet sich dann zu den weißen Edelmenschen und kann sich im weiteren Lauf des Films mit den strahlenden Helden identifizieren, die das zwar Edle, aber unfähige Naturvolk retten. Niemand hat etwas gegen eine "pro-Natur-Botschaft", aber wir machen es uns viel zu einfach, wenn wir uns direkt in der ersten halben Stunde Film auf die Seite der "Guten" schlagen können. Damit werden wir nicht gezwungen, uns mit unserer Beteiligung an der Zerstörung des Planeten auseinanderzusetzen, sondern können uns umgehend davon distanzieren. Die Botschaft des Films ist letzten Endes: Die Na'vi sind zwar nett, aber als "Eingeborene" unfähig und schutzbedürftig. Erst der weiße Edelmensch kann sie retten und profitiert anschließend von der Philosophie der Na'vi. Das ist (insbesondere unter Hinzunahme der optischen Gestaltung dieser Ethnie) Exotismus par excellence. Vielleicht Spoiler-Alarm? Denke aber, es ist noch im Rahmen des Möglichen, schließlich ist der Film ja auch ein paar Jahre alt: Besonders lächerlich wird es in dem Moment, als die Situation Ausweglos erscheint und alles in Flammen aufgeht, die Na'vi das Zentrum ihrer Naturreligion verlieren. Der amerikanische Marine schafft es, Ihnen den Glauben zurückzugeben, indem er den "unzähmbaren Vogel" zähmt - und schenkt so als guter weißer Beschützer den unbeholfenen blauen Aliens eine neue Religion, schwingt sich anschließend zum Messias auf. Das kann man einfach nicht verleugnen, höchstens ausblenden. Spoiler Ende. Zur liebevoll kreierten Welt habe ich mich ja schon geäußert: Warum mussten denn diese blauen Aliens so wahnsinnig nach rassistisch gefärbten Klischees entwickelt werden? Warum werden da tradierte Schmuckstücke, Kleidung, Haartracht etc. wild durcheinandergewürfelt, sodass ein, pardon, "indianisches Negervolk" entsteht, das sich mit hawaianischen Gesängen und fernöstlichen Trancebwegungen den Tag vertreibt? Ich finde das ärgerlich, Gott sei Dank kann ich mich zu den strahlend weißen Helden rechnen, als amerikanischer Ureinwohner würde ich mir mit diesem Film aber ziemlich veräppelt vorkommen.
  22. Danke für die Einschätzung bezüglich FAST 7. Ungefähr so habe ic mir das nach Sichtung der Vorschau vorgestellt und mich dagegen entschieden, ihn zu sehen. Nocmal zurück zu AVATAR: Ich bin tatsächlich auch sehr beeindruckt, wie der Film so schnell in der Versenkung verschwunden ist. Ich denke, außer einigen Fans kräht kein Hahn nach einem zweiten Teil, dennoch werden letzten Endes alle reinrennen. Insofern ist der Film auch nicht "gefährlich", das wollte ich damit auch nicht sagen. JUD SÜSS halte ich auch nicht für gefährlich, aber beide Filme lassen nunnmal Rückschlüsse auf bestimmte Ideologien zu, die zu Zeit der Entstehung der Filme in bestimmten Systemen vorherrschten und da schlägt AVATAR zusammen mit anderen Filmen, die einen viel größeren "Einfluss" haben, in eine bestimmte faschistische Kerbe, die anscheinend die anscheinend mit dem Weltbild eines großen Publikums kongruiert. Anders kann ich mir den Erfolg solcher Filme nicht erklären. Am meisten widert mich mittlerweile DIE ZWEI TÜRME an, der vor lauter Blut-und-Boden-Ideologie aus allen Nähten platzt. Insbesondere der "totale Krieg", der unter dem arischen Nordvolk ausgerufen wird und anschließend in einem "Volkssturm" gipfelt, der pathetischer nicht inszeniert sein könnte (kleinen Kindern wird in Zeitlupe eine Waffe in die Hand gedrückt, Howard Shores klebrige Musiksoße tut ihr Übriges), verursachte bei der Fernsehausstrahlung letzten Dezember echt Brechreiz. Ich finde es bedenklich, dass auch im 21. Jahrhundert Aspekte wie "Kampf ums Überleben", "Volk ohne Raum", "Krieg als einzig mögliche Lösung" und ein penetranter Rassismus (ob jetzt in TRANSFORMERS, STAR WARS oder AVATAR) sich kontinuierlich durch unzählige (Hollywood-)Straßenfeger ziehen. AVATAR ist da nur ein kleines Rädchen, aber ein sehr treffendes Beispiel. Natürlich werden wir keine schlechteren Menschen, wenn wir uns diesen Quark reinziehen. Propaganda funktioniert nur in einem bestimmten gemeinsamen Kontext. Solche Filme gießen aber immer wieder Öl ins idelologische Feuer und werden dann noch gefeiert und beklatscht. Das stieß mir bei Camerons Urvolk-Karrikatur extrem sauer auf.
  23. Danke für die Blumen! Schön, dass andere das auch so sehen. Will gar nicht wissen, was Cameron dem Publikum mit dem zweiten Teil serviert...
  24. Gerade seit dem Kinobesuch zum ersten Mal wieder: AVATAR - AUFBRUCH NACH PANDORA Ich hatte nicht mehr viel von dem Film in Erinnerung, über die Ästhetik kann man streiten. Mir selber sagt diese CGI-Orgie nicht sehr zu, da viele Bewegungen und Figuren "zu glatt" sind, sie einfach sich viel zu schwebend für ihre Größe bewegen und diverse Bewegungen zu träge sind (besonders schön an den viel zu langsam nachschwingenden Zöpfen zu sehen, wenn die Figuren eine rasche Kopfebewegung vollführen). Man kann das jetzt natürlich mit den Begebenheiten auf einem anderen Planeten rechtfertigen - geschenkt. Was mich jedoch massiv während des Films irritiert hat, um was für ein reaktionäres Stück Exkrement es sich bei diesem überproduzierten Machwerk doch auf der inhaltlichen Ebene handelt. Cameron betreibt hier einen cineastischen Exotismusraubbau, über den man doch seit einigen Jahren hinweg sein dürfte. Schon bedenklich, wenn diverse Stereotypen so krass bedient werden, dass man genau erkennen kann (und anscheinend auch soll), wer hier von den "blauen" eigentlich schwarz, wer "Indianer" und wer weiß ist. Hier für's Protokoll: Ja, es gibt die Warnung vor der ständigen Verschmutzung des Planeten Erde, ja, es gibt die bösen Weißen, aber diese sind von der Drehbuchkonstellation vorgegeben und notwendig für das Handlungsmuster. Dieses allein bietet mit seinem "Volk kämpft gegen die Vernichtung", jedweder Vermeidung einer diplomatischen Lösung und die ausschließlich gewaltvolle Konfliktbewältigung einen ganzen Eimer voll faschistischen Gedankenguts. Dabei werden die Attribute, die den "bösen Weißen" zugeordnet werden, durch Camerons ästhetisierende Hochglanzkinematografie und seinen offensichtlichen Militär(-technik-)-Fetisch verwischt. Zu "cool" wirken da diverse Kampfgeräte und Superwaffen, dass der gemeine Kinogänger sich bei den minutenlang zelebrierten Zerstörungsorgien nicht erschaudernd abwendet, sondern sich vielmehr in dem cineastisch appetitlich angerührten Firlefanz aus Explosionen, durch die Gegend geschleuderten Körpern und schwerelos anmutenden Kamerafahrten suhlt. Garniert werden die Gefechte von verbal faschistoidem "Friss-oder-Stirb"-Geprolle und "Rassen"-Gefasel. Was die Na'vi betrifft - hier ist der Name bereits Programm. Der Name dieses na'iven Na'turvolkes dürfte hauptsächlich vom englischen Wort "native" abgeleitet sein, birgt aber noch diverse andere Anspielungen, wie vorige Spielereien zeigen. Der Natur sehr verbunden, werden die blauen Außerirdischen/Einheimischen als noble Ethnie inszeniert, die sich in all ihrer Anmut und Noblesse allerdings als nicht überlebensfähig erweist - es sei denn, einige gutherzige Weiße wenden sich von ihren Befehlshabern ab und werden zu aufopfernden Edelmenschen, die sich an die Spitze der sympathischen, aber doch naiv-dümmlichen Na'vi stellen. Das ist insbesondere deswegen so perfide, da bei der Gestaltung der Na'vi sich ordentlich aus der üblichen Rassismus-Klischeekiste bedient wird, die den ursprünglichen Trägern der kernigen Irokesenschnitte, der auf den afrikanischen Kontinent verbreiteten Nasenpflöcke und geweiteten Ohrläppchen keinen Respekt zollen. Kombiniert wird, was dem westlichen Zuschauer irgendwie als "exotisch" vorkommt. Camerons Naturvolk verkommt zu einer karrikativen Anhäufung von Exotismen, als hätte man hier die auf den menschenverachtenden Völkerausstellungen des letzten Jahrhunderts gesammelten Eindrücke auf ein Comic-Naturvolk konzentrieren wollen. Wie es sich also in einem faschistisch reaktionären Weltbild gehört, triumphieren die Edelmenschen, die sich schneller mit der Natur anfreunden, als es die dummen Ureinwohner über Generationen geschafft haben, schließlich zähmt der weiße Marine Jake den roten Raubvogel, den sonst noch kein Na'vi fliegen konnte. Die Na'vi verbringen einen Großteil der Zeit, einen Mammutbaum anzubeten, der aber schnell in Flammen aufgeht. Niedergeschlagen treten sie den Rückzug an, bis Jake, der gute Edelmensch, vor sie tritt und sie zum Kampf aufruft, zu dem sie von sich aus nie den Mut aufbringen könnte. Erst unter dem amerikanischen Führer gelingt es dann, die neue Welt zu reinigen, den "Lebensraum" zu verteidigen und endlich wieder Ordnung zu schaffen. Es ist schon gruselig, wenn man bedenkt, dass es sich bei AVATAR um einen der erfolgreichsten Filme der letzten Jahrzehnte handelt, dass also Millionen all diesen hirnrissigen Schmarrn goutierten und selbst die Presse hauptsächlich lobende Worte für diesen Film fanden. Mit Effektorgien lässt sich also hervorragend eine überaus bedenkliche Botschaft und ein mieses reaktionäres Weltbild an den Zuschauer bringen, der vielleicht mit Überzeugung sein Hirn an der Kinokasse abgibt - das Unterbewusstsein aber leider in den Saal mitnimmt und es mit derartigem Faschodenken füttert. Das war ja früher nicht anders, wenn Veit Harlans JUD SÜSS europaweit in den Kinos lief und die italienische Presse schrieb: "Wenn das Propaganda ist, so begrüßen wir diese Propaganda." In den letzten 70 Jahren hätte man doch aber im Umgang mit dem Massenmedium Film und seiner politisch-ideologischen Möglichkeiten etwas mehr dazulernen können, aber dem scheint nicht so zu sein. Schade.
  25. Habe ich mir auch vor einigen Wochen "gesichert". Deine Ausführungen machen Lust auf mehr
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