Zum Inhalt springen
Soundtrack Board

Mephisto

Administratoren
  • Gesamte Inhalte

    4.673
  • Benutzer seit

  • Letzter Besuch

Alle Inhalte von Mephisto

  1. Die Mumie 1290 v. Chr. Befindet sich das ägyptische Reich unter der Herrschaft des Pharaos Setos I., der in der „Stadt der Lebenden“ regiert und dessen Geliebte, Anck-Su-Namun, eine Affäre mit dem Hohepriester Imhotep beginnt. Eines Nachts stört der Pharao mit seinen Soldaten die beiden Liebenden und Anck-Su-Namun begeht Selbstmord, um Imhotep zur Flucht zu verhelfen, denn sie weiß, dass dieser sie wieder auferstehen lassen kann. Also bricht Imhotep mit seiner Garde wenig später in die Gruft der Toten ein, stiehlt ihre Leiche und beginnt in der „Stadt der Toten“ das Ritual. Doch erneut werden sie von den Männern des Pharaos überrascht, das Ritual kann nicht vollendet werden und erneut stirbt Anck-Su-Namun vor Imhoteps Augen, der lebendig mumifiziert und mit dem Hom-Dai-Fluch belegt wird, der besagt, dass, sollte der Hohepriester wieder erweckt werden, er die zehn biblischen Plagen über das Landbringen würden, die Ägypten bereits einmal heimsuchten. 1926 stiehlt der britische Missionar Jonathan Carnahan dem Amerikaner Rick O’Connell ein achteckiges Artefakt. O’Connel kämpfte drei Jahre zuvor in der französischen Fremdenlegion auf dem Boden, auf dem sich einst Hamunaptra befand, gegen ein Beduinenvolk und ging als einziger Überlebender aus der Schlacht hervor. Das Fundstück entdeckte er bei seinem Marsch durch die Wüste. Carnahans Schwester Evelyn arbeitet in Kairo im Altertumsmuseum und stellt fest, dass das Artefakt eine Karte enthält, die den Weg nach Hamunaptra weist, in deren noch existierenden Gängen sich Schätze von unvorstellbaren Wert befinden. Da die Karte aber einem Missgeschick des Museumsleiters zum Opfer fällt, suchen die Geschwister O’Connell auf, um zu erfahren, woher das Fundstück stammt. Sie finden O’Connell im örtlichen Gefängnis und Evelyn gelingt es, den zum Tode verurteilten vom Galgen zu befreien, da sie dem Gefängnisleiter einen Anteil an den Schätzen verspricht. So machen sich die vier auf in die Wüste, um die „Stadt der Toten“ zu finden und müssen sich außerdem gegen amerikanische Archäologen behaupten, die ebenfalls nach Hamunaptra suchen. Nachdem sie die Ruinen der alten Stadt erreicht haben, begeben sich die vier in die Gruften, wo sie einen Sarkophag aufbrechen, in dem sich Imhoteps Mumie befindet. Schon bald wird klar, dass es sich dabei um Imhotep handelt, der sich erneut auf die Suche nach seiner Geliebten macht und das Land in Tod und Verderben zu stürzen beginnt… In den 90er Jahren schlugen viele Wiederbelebungsversuche alter Genres wie „Die Piratenbraut“ und „Der erste Ritter“ fehl, bis man um die Jahrtausendwende mit einer weniger ernsten Herangehensweise wieder Sparten des Golden Age in neuem Gewand auf die Leinwand brachte. Der Vorläufer zu den überaus erfolgreichen „Fluch-der-Karibik“-Filmen oder den beiden Kinoabenteuern Zorros ist Stephen Sommers’ „Die Mumie“. Allerdings entscheidet sich das in den 20er Jahren angesiedelte Spektakel deutlich von den vorher genannten Filmen, denn während zumindest die letzten drei Teile der „Fluch der Karibik“-Reihe und insbesondere „Die Abenteuer des Zorro“ das Genre des Abenteuerfilms ironisch brechen und parodistisch auf die Schippe nehmen, entsteht der Humor in „Die Mumie“ hauptsächlich aus dem Genre selbst, ohne sich darüber prätentiös lustig zu machen. Wie gewohnt wird bei Sommers auch in „Die Mumie“ mehr geklotzt denn gekleckert. Übertriebene Fechtkämpfe mit Skeletten, Araber-Zombis, durch die sich die Helden möglichst brutal eine Schneise mit einem Auto schlagen, biblische Plagen und Skeletthände, die aus dem Wüstensand geschossen kommen: Sommers lässt kein Klischee aus und hat sichtlich Freude daran, sämtliche Zutaten des klassischen Abenteuerfilms zu einem äußerst temporeichen Straßenfeger zu verschmelzen. Dabei ist „Die Mumie“ in allererster Linie ein Actionfilm, der mit allerhand spekatkulärer Gefechte und Schießereien aufwartet, wie der feurigen Flussfahrt auf dem Nil oder der dem Prolog folgenden Schlacht in den Ruinen von Hamunaptra. Äußerst rasant inszeniert, elegant geschnitten und fotografiert hat der Film somit auch überdurchschnittliches Handwerk zu bieten. Nur die digitalen Effekte sind alles andere als gut gealtert. Neben den typischen Schauplätzen wie längst vergessen Gruften, Ruinen alter Städte und orientalischer Städte sind sämtliche Figuren reine Klischees, wobei Sommers vor der übertriebenen Darstellung alter Vorteile zu keinem Zeitpunkt halt macht. Ob Amerikaner, Engländer, Araber oder Agypter – hier bekommen alle ihr Fett weg. Als draufgängerischer O’Connel überzeugt Brendan Fraser, der sichtlich Spaß an seiner Rolle sowie seinen übercoolen Sprüchen hat und diese mit übertriebener Mimik zu charakterisieren. Rachel Weisz’ Rolle der Evelyn könnte so auch direkt aus einem Golden Age Film stammen, denn sie hat nichts anderes zu tun, als hübsch auszusehen (was ihr in der Tat gelingt), ihre Augen aufzureißen, um Hilfe zu rufen und gerettet zu werden. John Hannah spielt einen herrlich überzogen britischen John Carnahan und Arnold Vosloo brilliert in der Rolle als tragischer Bösewicht und verfluchter Hohepriester Imhotep. Insgesamt ist „Die Mumie“ also ein brillanter Abenteuerfilm, der aufgesetzt Parodie nicht nötig hat und durch die Liebe zum Genre durchgängig famos unterhält. „Die Mumie“ war die zweite und letzte Kollaboration von Stephen Sommers und Jerry Goldsmith, für den sich die Arbeit an der Musik zu einer wahren Stresssituation entpuppte. Im Gegensatz zu dem ersten gemeinsamen Projekt der beiden – „Deep Rising“ – war Goldsmith zudem auch wenig begeistert von dem Film und bezeichnete „Die Mumie“ in einem Interview sogar als „piece of crap“. Das lässt die Musik allerdings nicht vermuten, denn die zählt zu den besten Arbeiten des Hollywoodveteranen. Innerhalb von knapp zwei Wochen komponierte Jerry Goldsmith mit einem groß besetzten Orchester, exotischen Soloinstrumenten, einigen elektronischen Hilfsmitteln und einem Chor eine große und kräftige Abenteuerpartitur, die Sommers’ Bilder ansprechend unterlegt. Dabei schadet zu keinem Zeitpunkt, dass hier alle vorstellbaren orientalischen Musikklischees voll ausgekostet werden, denn wenn Goldsmith zu den Bildern des antiken Ägyptens die Posaunen eine mit einer übermäßigen Sekunde verfeinerten Skala schmettern lassen, einzelne Töne der Oud die flirrende Wüstenhitze einfangen und hektische Xylophonläufe die Skelettarmeen in den Kampf schicken, deckt sich diese stereotype Herangehensweise mit Sommers’ stark von Hommagen gekennzeichneten Bildsprache. Goldsmiths handwerkliches Können und sein versierter Umgang mit dem Orchester tragen maßgeblich zum Hörgenuss bei. Doch nicht nur klangliche Masse, auch eine Fülle von Leitmotiven sorgt für gehörige Abwechslung. Den zentralen Platz nimmt natürlich das Liebesthema ein, eine sanfte und lyrische Melodie, die mit ihrem aufstrebenden Charakter die jugendliche Zuversicht Evelyns sowie den optimistischen Charakter O’Connells musikalisch widerspiegelt. Meistens über sanfte Streicherteppiche von der Flöte oder Oboe intoniert, erklingt diese Melodie auch als schwelgerisches Thema der Violinen oder als kräftiges Abenteuerthema in den Hörnern. Das musikalische Gegenstück bildet eine ab- und wieder aufsteigende Skala, die mit der übermäßigen Sekunde sofort Assoziationen mit orientalischen Schauplätzen wachruft und für die mystische Vergangenheit Ägyptens steht. Für Imhotep griff Goldsmith zusätzlich auf eine von ihm in den 90er Jahren favorisierte Idee zurück: Posaunenglissandi. Während sie aufsteigend im „13ten Krieger“ die Wendol repräsentierten, so erklingen sie nun bedrohlich absteigend. Auch neben diesen leitmotivischen Ideen komponierte mehrere herausragende Stücke wie die kraftvolle Musik zu dem Wüstenritt, die einer mit Chor garnierten, weitschweifigen Melodie unterlegt wird oder die schauderhaften Rituale des alten Ägyptens, für die der Komponist mit einige sehr mystische Minuten schrieb. Im Fokus steht allerdings wie auch beim Film die Action, in der sich Goldsmith zumeist auf die Kraft seines Orchesters besetzt. Hämmerndes Schlagwerk, gehetzte Streicher und treibende Bläserrhythmen sorgen für immer neue musikalische Achterbahnfahrten, denen nie die Puste ausgeht. Da die Actionpassagen oftmals auf thematischem Material fußen, sind sie selten so gradlinig und ökonomisch wie die zur gleichen Zeit entstandenen stark von Ostinati geprägten Actionmusiken zu den in der Gegenwart angesiedelten Thrillern. Zum Filmstart veröffentlichte DECCA ein CD-Album mit fast einer Stunde Laufzeit, das alle wichtigen Elemente der Musik in klarer Klangqualität abdeckt. Mit der DVD-Veröffentlichung, die zumindest in Amerika über eine isolierte Tonspur verfügt, erschienen schnell die ersten 2-CD-Bootlegs mit der vollständigen Musik. Die gepresste Doppel-CD des Fantasylabels „Egyptian Enterprises“, das zudem auch unveröffentlichte Musik zu „Die Mumie kehrt zurück“ und „The Scorpion King“ enthält, dürfte zu den populärsten Bootlegs dieser Musik zählen, ist klanglich allerdings schlechter als die kommerzielle Veröffentlichung geraten, da eindeutig die DVD als Quelle dient. Außerdem kommen bei rund 90 Minuten Laufzeit der kompletten Musik deutliche Längen auf – insbesondere während der vielen Suspense-Stücke in der Mitte des Films, sodass die DECCA-CD eine rundum gelungene Album-Version ist, die keine Wünsche offen lässt. Das tut die Musik auch nicht, denn Fans großer Abenteuermusik kommen bei Goldsmiths „Die Mumie“ voll und ganz auf ihre Kosten.
  2. Auf Souchaks Wunsch gibt's hier einmal die Filmreihenfolge von Goldsmiths "The Sum of all Fears": 02 The Mission 03 The Bomb 07 The Deal 04 That went well 12 Deserted Lab 08 Changes 05 Clear the Stadium 13 Real Time 10 His Name is Olson 09 Snap Count 14 How Close? 15 The Same Air
  3. Mephisto

    Lustiges aus aller Welt

    Habe heute noch einmal mein Donaueschingen-Erlebnis Oktober 2012 revue passieren lassen, indem ich das Konzert mit dem Nadar Ensemble auf der SWR-Seite nochmal ansah. Der belgische Komponist Stefan Prins beleuchtete in seinem Stück "Generation Kill" die heutige kriegerische Situation, in der ein Angriff aus der Ferne, quasi per Joystick ausgeführt wird. Diese Situation wird auf das Ensemble übertragen, das sich gegenseitig mit Spielkonsolen steuert (die Musiker werden aufgenommen und auf eine Leinwand vor ihnen projeziert. Mit diesen Aufnahmen "arbeiten" die "Spieler"). Das Ganze schlägt dann in einen Drohnenangriff um. Natürlich ist das nicht besonders witzig, aber hört mal hin, was da einer bei 29:25 macht, bevor der Applaus einsetzt... http://www.swr.de/donaueschingen Das Video findet sich am unteren Ende der Website, betitelt mit "Konzert mit dem Nadar Ensemble".
  4. Also die Musik ist zu über 80% auf der CD vertreten. Die Filmreihenfolge habe ich mir am 1.1. dieses Jahr bei der Sichtung notiert und kann die gerne heute nachmittag im entsprechenden Thread reinstellen. Ein großs Problem ist meiner Meinung nach, dass die einzelnen Stücke sehr alleinstehend sind. Neben recht antsprechender CIA-Musik, einigen Action und Suspense-Passagen gibt es auch diverse Klischee-Orient-Stückchen und Russennummern, die zwar alle für sich sehr nett anzuhören sind, auf der CD fehlt Golsmith allerdings eine musikalische Verbindung, sodass man teilweise wirklich das Gefühl hat, durcheinander nicht verwendete Stücke aus "Air Force One", "Die Mumie" und "US Marshals" zu hören. Die Songs machen das natürlich nicht besser. Dass die Musik reines Stückwerk ist, fällt im Film negativ nicht auf, auf CD hat das allerdings einen gravierenden Nachteil.
  5. Der absolute Hammer: Goldsmith, Rosenman, abgelehnte Filmmusik auf einer CD! Geht's besser? (Aus Spaß werde ich mir dann aus meiner Sammlung noch eine CD mit den Originalaufnahmen zusammenstellen und eine "Deluxe Ultimate Private Edition" brutzeln - weil ich's kann)
  6. Ich konnte mich mit "Hoosiers" nie anfreunden. Viel zu viel Elektronik bei einem doch so groß besetzten Orchester. Besonders schlimm im Finale, die er die plastikhaften Hornsynthies über die echte Horngruppe legt - warum? Naja, CD wird trotzdem angeschafft, weil ich die Musik bisher nur auf der bösen Dopplung mit "Gladiator" habe...
  7. Natürlich sollte man sich allumfassend mit der Materie auseinander setzen, insbesondere bei Filmmusik. Allerdings ist es nicht nur der Klang. Die Synths in "Logan's Run" und "Illustrated Man" sind noch viel älter und "schraddeliger" (danke, ronin) als die in "Under Fire", aber sie passen in's Konzept und sind zudem musikalisch vielschichtig verwendet worden. In "Under Fire" haben die Synths bis auf ein Konzept, das schlichtweg nicht funktioniert, keine Daseinsberechtigung - insbesondere wenn man bedenkt, dass Goldsmith stets betont hat, Synths nicht als Orchesterersatz zu verwenden. Es gibt viel Musik, die ich vom Klang nicht mag, aber der ich ohne jedes Problem ihre Genialität anerkennen. Dazu gehören mehrere Symphonien Haydns und Mozarts und viele Werke von Bach. Bei "Under Fire" ist allerdings die Hoffnung auf eine Versöhnung verloren. Soweit ich weiß, ist es nicht nur "sampeln", wenn man etwas rein elektronisch erzegt. Mit Samples können auch akustisch eingespielte Elemente gemeint sein, wie eben diese drei Chöre, deren Potential meiner Ansicht nach verschenkt wurde. Man hat die einmal rufen lassen und das dann zu einem elektronischen Hauchen verzerrt, was man als Sample verwendet hat. Du hast Recht: Ich persönlich kann mit diesem kratzigen Geräusch über erhabene Hornmelodien nichts anfangen. Ich frage mich allerdings auch (wie in "Medicine Man", warum man auf elektronische Samples zurück greifen musste, obwohl man echte Musiker vor sich hat. Das frage ich mich auch bei den digitalen Klavieren oder E-Tomtoms in "Basic Instinct" ("Roxy loses"), obwohl ich da weder mit der Komposition an sich oder dem Klangergebnis ein Problem habe.
  8. The Edge - Auf Messers Schneide - Rivalen am Abgrund Charles Morse hat ein fotografisches Gedächtnis und dieses sein Leben lang ausgiebig genutzt. Fast jede Sekunde seiner Freizeit in Bücher vertieft, baute er mit seinem Intellekt und seiner logischen und überlegten Denkweise ein Unternehmen auf, mit dem er Billionen verdiente. Sein Glück fand der Billionär schließlich in der jüngeren und äußerst attraktiven Mickey, die bald seine Ehefrau wurde. Mickey arbeitet als Fotomodell und wird oft vom ehrgeizigen Fotografen Robert Green abgelichtet. An Charles Geburtstag ist ein Fotoshooting in Nordamerika mit Mickey geplant, die mit einem männlichen Modell vor der wilden und unberührten Natur posieren soll, in der sich die Holzhütte befindet, die Charles, Mickey, Robert und Stephen als Quartier dient. Styles, der Besitzer der Hütte, warnt seine Gäste vor wilden Bären in der Umgebung. Die Gruppe wartet vergebens auf Mickeys männlichen Kollegen, der allerdings wegen schwerer Krankheit absagt. Robert Green entdeckt in der Hütte das Foto eines Indianers, einem Bekannten von Styles, den dieser ein Jahr zuvor abgelichtet hatte und ist begeistert von der Ausstrahlung des Ureinwohners, der sich gerade im Wald auf Bärenjagd befindet. Er beschließt, den Indianer aufzusuchen und zum Fotoshoot mit Mickey zu überreden, sodass sich bald der Fotograf mit seinem Assistenten und Charles in dessen Privatjet auf den Weg zur Hütte des Bärenjägers begeben. Auf dem Flug kollidiert das Flugzeug allerdings mit einem aus dem Nichts auftauchenden Vogelschwarm und stürzt ins Wasser. Der Pilot stirbt, Robert gelangt schnell an die Wasseroberfläche und Stephen kann von Charles im letzten Moment vor dem Ertrinken gerettet werden. Völlig alleine in der Wildnis und ohne Ausrüstung, beginnen Green und sein Assistent bald zu verzweifeln während Morse sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und sein enzyklopädisches Wissen nutzt, die Orientierung wieder zu finden und möglichst schnell Pläne zu entwerfen, wie die drei Männer zurück zur Hütte gelangen können, bevor der kalte Winter einsetzt, der in wenigen Tagen hereinbrechen wird. Durch einen selbstgebauten Kompass Mores schöpfen die Männer Hoffnung und machen sich auf den Weg, doch schnell merken sie, dass ihnen ein ausgewachsener Bär auf der Fersen ist. Ohne jede Waffen, Nahrung oder angemessener Kleidung beginnt für die Männer ein Kampf ums nackte Überleben... Der innerhalb von vier Monaten in Alberti und British Columbia gedrehte "The Edge" ist ein äußerst unterhaltsamer Abenteuerfilm, der von der prächtigen Naturkulisse, engagierten Schauspielern (inklusive des Bären), einer interessanten Figurenkonstallation und packender Actionszenen profitiert. Die Gewichtung von menschlichen Schicksalen und furioser Kampfszenen mit dem Bären hält sich dabei gekonnt die Waage. Interessanterweise weicht dieser Film ein altes Klischee gekonnt auf: Charles Morse ist reich und hat eine jüngere Frau. Dennoch ist er nicht der typische reiche Sack, sondern der größte Sympathierträger des Films. Erfreulicherweise wird nicht erwähnt, was für ein Unternehmen ihm überhaupt gehört. Dennoch ist man sich sicher, dass er sich sein Vermögen mit Fleiß und Intelligenz erarbeitet hat. Auch wenn "The Edge" im Grunde ein oberflächlicher Abenteuerfilm ist, der keine großen philosophischen Ansprüche erfüllen will und sich der Spannung einer Extremsituation bedient, lassen sich dennoch mehrere Elemente des alltäglichen Lebens ausfindig machen und im besten Falle übertragen. Es bringt schließlich nichts, den Kopf zu verlieren und sich verzweifelt auf den Boden zu werfen, um in der Nacht an Erschöpfung zu sterben. Abstand zur eigenen Situation nehmen, sie sich erklären und Lösungswege suchen sind der bessere, produktivere und richtige Ansatz, den Morse in jeder Minute verkörpert. "The Edge" funktioniert vielleicht gerade deswegen so gut, weil er überhaupt nicht mehr sein will als ein Unterhaltungsfilm und deswegen auch handwerklich durch die Bank beeindruckend inszeniert ist. Lee Tamahoris Inszenierung ergibt mit der herrlichen Kameraarbeit Donald McAlpines und dem stets im richtigen Tempo gesetzten Schnitt Neil Travis' eine atmosphärisch dichte Symbiose. Hervorragende Höhepunkte bilden auch die Kampfszenen mit dem Bären. Nie zu kurz oder zu lang, hervorragend geschnitten und grandios in Szene gesetzt, krallt man sich hier in die Sitzlehnen. Die Hauptdarsteller sind alle treffend besetzt. Nachdem Dustin Hoffman, Harrison Ford und Robert DeNiro die Rolle Mores abgelehnt haben, erwies sich Anthony Hopkins als wahrer Glücksfall für den Film. Er spielt die Rolle des allwissenden und sympathischen Superreichen scheinbar mühelos. Ihm ist Alec Baldwin in der Rolle des Fotografen Green an die Seite gestellt, der ebenfalls hervorragend spielt. Besonders bei den verzweifelten Ausbrüchen seines Charakters spornt sich Baldwin immer wieder zu Höchstleistungen an. Harold Perrineau Jr. ist als Assisstent Stephen leider nur Beiwerk, dessen Ende relativ vorhersehbar ist (nicht nur wegen der Hautfarbe - eins der ganz wenigen Mankos des Films, dass auch hier der Schwarze als Kanonenfutter dient). Elle MacPerson hat als Mickey nur wenig Leinwandpräsenz, nutzt diese allerdings voll aus und auch L. Q. Jones überzeugt voll und ganz als knorriger Blockhüttenbesitzer Styles. Insgesamt ist "The Edge" also ein äußerst sehenswerter Abenteuerfilm vor grandioser Landschaftskulisse. Vertont wurde "The Edge" von Hollywoodveteran Jerry Goldsmith, an den Regisseur Lee Tamahori einige Anweisungen gab. So verlangte Tamahori, dass die Musik rein akustisch und ohne jede Zuhilfenahme elektronischer Elemente eingespielt wird, sodass hier eine der wenigen rein orchestralen Partituren des Komponisten aus den letzten Jahren vorliegt. Außerdem bat Tamahori um ein ausschweifendes Haupthema, das die vielen üppigen Landschaftsaufnahmen angemessen vertonen konnte. Goldsmith befolgte bei Anweisungen und komponierte einen äußerst erfrischenden und detailreichen Abenteuerscore, der zu den Höhepunkten seines Spätwerkes gezählt werden kann, denn auch wenn die Musik an sich wie viele andere Kompositionen Goldsmiths aus dieser Zeit einen leicht routinierten Charakter hat, so bewies er im Umgang mit dem Orchester doch noch einigen Erfindungsreichtum. An "The Edge" kann man genau beobachten, dass die typischen elektronischen Elemente aus dem musikalischen Denken Komponisten nicht mehr wegzudenken waren und er somit versuchte, seine glockenhaften Synthies, die die Hauptthemen von "Sleeping with the Enemy" oder "Angie" schmückten, akustisch nachzuempfinden, indem er Klavier und Trompete in leichten Achtelgirlanden um das Orchester drapierte. Für bedrohliche Szenen griff Goldsmith auf alternative Spieltechniken der Streicher zurück und lässt zum Beispiel die Kontrabässe auf dem Steg spielen. Wie viele Filmmusiken des Komponisten ist auch "The Edge" monothematisch angelegt. Das Hauptthema ist - auf Wunsch des Regisseurs - eine große und bogenhafte Melodie, die meistens in moll erklingt und von den Hörnern über volle Orchesterbegleitung gespielt wird. Dieses Thema und seine Arrangements für die Landschaftsaufnahmen gehört zu den besten Einträgen in den späten Themenkatalog Goldsmiths und muss sich nicht hinter "Mulan" oder "Der erste Ritter" verstecken. Für die Bedrohung durch den Bären griff der Komponist auf einen Effekt zurück, den er auch in "Der 13te Krieger" und "Die Mumie" einsetzte, die in derselben Zeit entstanden: Schwere Posaunenglissandi vermitteln das Gefühl der drohenden Gefahr und fangen außerdem die Wirkung eines Tierlautes ein. In den Actionszenen verzichtet Goldsmith außerdem auf seine typischen Ostinato-Strukturen und bedient sich heftiger Ausbrüche des Orchesters und des Schlagwerks, das um einige exotische Elemente wie Congas bereichert ist und somit einen urigen Charakter mit sich bringt. RCA Victor veröffentlichte zum Filmstart ein 38 Minuten langes Album mit den Höhepunkten der Musik, das allerdings bald vergriffen war. 2010 veröffentlichte Lalaland Records die vollständige Musik plus drei Bonustitel als auf 3500 Stück limitierte Edition, die neben einem umfangreichen Begleitheft auch mit einer Verbesserung der Klangqualität aufwartet. Diese CD sei jedem ans Herz gelegt, denn Jerry Goldsmith schrieb für "The Edge" eine äußerst frische und teils raffinierte Partitur, sodass man sich wünscht, mehr Regisseure als Tamahori hätten ihm derartige Anweisungen gegeben.
  9. Wenn das wieder so ein faschistoider Mist wird, werde ich das ganz sicher boykottieren...wie die meisten dieser unnötigen, uninspirierten und überflüssigen Fortsetzungen!
  10. Bei Goldsmith gibt es nunmal Synthies und Synthies. Erlich gesagt, fällt mir kein weiterer Komponist ein, bei dem man den Elektronikeinsatz von Musik zu Musik stets so unterschiedlich einordnen und bewerten muss. Wer allgemein ein Problem mit elektroakustischen Effekten in einer Filmmusik Probleme hat, wird bei Jerry Goldsmith nur in sehr wenigen Fällen glücklich. Schließlich war der Komponist von Beginn an fasziniert von den Möglichkeiten der frühen (und späten) Synthesizer. Der "Ultravox"-Synthesizer in "Satan Bug" und "In Harm's Way" gehört zu den frühesten Geräten dieser Art, die Goldsmith für sich entdeckte. Dabei machte er mehrmals darauf aufmerksam, dass er seine Synthesizer nicht als Instrumentenersatz, sondern Ochestererweiterung verstünde. Ein schöner Gedanke, der in "Logan's Run", "Illustrated Man", "Mephisto Waltz", "Gremlins", "Leviathan", "Basic Instinct", "Looney Tunes" und weiteren sehr gut funktioniert. Dennoch hat mir Goldsmith viel z oft auf elektronische Elemente zurückgegriffen, obwohl man die erzeugten Klänge akustisch viel differenzierter hätte erzeugen können. Ein sehr schöner Beweis ist "The Edge", in dem er sogar vom Regisseur angewiesen wurde, auf seine Synthies zu verzichten. Hier erinnert sich Goldsmith dann seit langer Zeit wieder an alternative Spieltechniken der Streicher, interessante Schlagzeugeffekte und raffinierte Instrumentation der Bläser. Derartige Details wichen nämlich in den letzten 15 Jahren seines Schaffens stark den programmierten Samples. Manchmal gehörte es zum Konzept, Instrumente akustisch zu imitieren, um auf den Filminhalt aufmerksam zu machen. Die künstliche Orgel, Flöte etc. in "The 'Burbs" macht wunderbar deutlich, dass es sich hier nunmal nicht um "echtes" Militär, Horrorgestalten und Westernhelden handelt. Walgesänge in "Leviathan" kann man so schwerlich im Studio erzeugen, aber warum man die ganzen Quietscheffelte und das Drumset in "Gremlins 2" nicht akustisch in bester Disney-Tradition erzeugen konnte, ist mir schleierhaft und konnte ich mir bisher nur mit Faulheit und Bequemlichkeit erklären. Manchmal steht hinter solchen Dingen wie gesagt ein Konzept. Dieses lässt sich aber vom Rezipienten schwer erschließen, wie die völlig veralteten Synthies in "Under Fire", die mir regelmäßig die Freude an der Musik nehmen. Klar weiß ich, dass Goldsmith die Isolation der Journalisten in der fremden Umgebung durch den Unterschied zwischen Synthies und Orchester darstellen wollte, aber irgendwie funktioniert das nicht, denn es gelingt nicht, die Journalisten mit den elektronischen Elementen zu identifizieren, weil diese wie das Orchester südamerikanisch folkloristisch geprägte Stimmen spielen und sogar viele südamerikanische Instrumente imitieren. Wie soll man da auf amerikanische Journalisten schließen können? Für "Medicine Man" konnte ich keine Aussage zu dem Einsatz der Synthies finden und die völlig veralteten und billigen Klänge auch ästhetisch und konzeptionell nicht rechtfertigen. Insofern leider eine vertane Chance, denn gemessen an früheren Ausflügen in den Dschungel wie "High Velocity" hätte diese Musik ein großer Wurf werden können. Das Potential lässt sich in der thematischen Vielfält und einigen wenigen Momenten erkennen.
  11. Hier in Deutschland ist sie jedenfalls schlechter geworden. In Lübeck z.B. werden die Orchestermusiker schlechter bezahlt als Busfahrer (deren Gehalt im Gegensatz zu dem der Musiker bereits zweimal aufgestockt wurde). Allerdings müssen die froh sein, ihre Stelle noch zu haben, denn in diesem Jahr wurde wieder bundesweit viel zusammen gestrichen. Außerdem wurde eine Fusion beider Rundfunkorchester des WDR dieses Jahr beschlossen, die verheerende Auswirkungen auf das deutsche Musikleben haben kann, denn wenn man jetzt sogar bei staatlichen Institutionen den Rotstift ansetzt, wird man vor lokalen Einrichtungen noch weniger halt machen!
  12. Gern geschehen, Souchak! Weitere folgen Ich war bei Goldsmiths Plasikflöten zu Beginn doch leicht geschockt und irgendwie wurde die Musik bis zu "The Trees" nur mäßig besser. Ich musste mir die CD in drei bis vier Hördurchgängen erstmal von der Elektronik "freihören", bevor ich auch die Stärken der Musik erkannte, denn leider dominieren die Synths einfach zu sehr. Ärgerlich besonders deshalb, weil es eigentlich keinen Grund gibt, Panflöten und anderes exotisches Instrumentatium zu sampeln, wenn man sich auch andere südamerikanische Instrumente und ein Orchester leisten konnte. Bei mir wird die CD jedenfalls noch lange im Regal stehen, bis ich die mal wieder hervorhole.
  13. Medicine Man - Die letzten Tage von Eden Rae Crane ist eine äußerst intelligente und erfolgreiche Wissenschaftlerin, die mehrere Preise gewann und jetzt in New York für ein pharmazeutisches Unternehmen arbeitet, aber kaum über praktische Erfahrungen in der angewandten Wissenschaft verfügt. Das Unternehmen, für das Crane arbeitete, finanziert auch die Arbeit des Schotten Dr. Robert Campbell, der im Urwald von Amazonien bei einem Stamm Eingeborener lebt und seit Jahren Untersuchungen betreibt. Um die Ergebnisse seiner Forschung zu überprüfen, verlangt er nach einem Gaschromathographen. Da alle von Campbell angeforderten Assisstenten nicht verfügbar sind, wird Rae Crane von ihrer Firma zu dem eigenwilligen Schotten in den Dschungel geschickt. Bei dieser Gelegenheit soll sie gleich feststellen, ob die Untersuchungen des Wissenschaftlers weiter unterstützt werden sollten. Dieser ist über neue Kollegin alles andere als begeistert, weil er Crane für zu unerfahren hält. Die Frau darf allerdings bleiben, als sie ihm mitteilt, dass von ihren Beobachtungen die weitere Finanzierung von Campbells Projekt abhängt. Nach und nach offenbahrt er der skeptischen Wissenschaftlerin, dass er ein Mittel gegen Krebs gefunden hat, allerdings ist es ihm bis heute nicht gelungen, den Stoff zu rekonstruieren und somit zu verfielfältigen. Campbell beobachtete einst den Medizinmann des Stammes, wie er eine bestimmte Pflanze, die nur in einer gewissen Höhe auf den Bäumen wächst, erntete und auch ihm ist es gelungen, mit dem ersten Serum, das er aus dieser Pflanze gewann, eine Eingeborene zu kurieren. Sämtliche weiteren aus dieser Pflanze erstellten Medikamente blieben allerdings wirkungslos, weil ein bestimmtes Element innerhalb des Moleküls fehlt, dass er nun verzweifelt sucht. Dr. Crane bleibt skeptisch, sodass Campbell sie mit einen Versuch überzeugt: Quasi über nacht gelingt es ihm mit Hilfe des Serums, krebskranke Ratten mit einer Injektion des Medikaments zu heilen. Tatsächlich hat er Dr. Crane damit überzeugt, aber mittlerweile neigt sich der Vorrat des wirkungsvollen Serums bedenklich dem Ende zu. Die nächsten Tage verbringen die beiden Wissenschaftler mit den Eingeborenen damit, die Pflanze zu ernten und weitere Seren herzustellen, doch auch diese bleiben wirkungslos. Dann wird bei einem Jungen ein Tumor im Halsbereich festgestellt, der in den nächsten Tagen seine Luftröhre zu verschließen droht. Um ihn zu retten, müsste man den letzten Vorrat des wirksamen Medikaments opfern. Doch die Wissenschaftler kämpfen nicht nur gegen die Krankheit, sondern auch gegen Zerstörung: Ein Bauunternehmen arbeitet an einer Straße, die den Dschungel durchqueren und durch das Gebiet des Stammes verlaufen soll. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Regisseur John McTiernan ist den meisten Cineasten wahrscheinlich durch Filme wie "Predator" oder "Stirb Langsam" als Action-Experte im Gedächtnis geblieben. In "Medicine Man" versuchte er sich allerdings einmal an einem völlig anders gelagerten Stoff. Auch wenn mit "Predator" bereits ein voriger Film McTiernans den Dschungel als wichtigen Schauplatz nutzte, so ist "Medicine Man" völlig anders gelagert. War der Urwald in "Predator" ein undurchdringliches und tödliches Labyrinth, so ist er hier ein Ort des Friedens, der Gemeinschaft; Heilung bringend und Tod besiegend. Allerdings bewegt sich der Film stets an der Oberfläche, zehrt von zweifellos schönen Naturaufnahmen des brasilianischen Dschungels und dem zwischenmenschlichen Verhältnis der beiden Protagonisten, deren Beziehung innerhalb der Filmhandlung einem starken Wandel unterzogen ist. Diese allerdings gradlinig stetig wachsende Anziehung zwischen Dr. Campbell und Dr. Crane ist zwar kitschfrei und recht bodenständig, dafür aber auch recht unspektakulär und vorhersehbar geraten. Immerhin stimmt die Chemie zwischen Sean Connery und Lorraine Bracco, die ihrer Darstellung wegen allerdings für die goldene Himbeere nominiert war. Die im Subtext ohne Frage mitschwingende ökologische Botschaft lässt ebenfalls den nötigen Nachdruck vermissen. Die Bedrohung des Urvolkes in Form der Vorrückenden Bauarbeiten und der mit einher ziehenden westlichen Zivilisation scheint letzten Endes keine Auswirkung für die Eingeborenen zu haben. Die ziehen nämlich in aller Seelenruhe ein paar Kilometer weiter in den Dschungel. Die Ironie, dass teils die für Campbells Finanzierung verantwortlichen Industriellen sich ins eigene Fleisch schneiden, indem sie nicht willig sind, die Bauarbeiten um wenige Tage zu verlegen, damit die ganze Welt den Krebs bekämpfen kann, bleibt traurigerweise nur eine Randnotiz. John McTiernan versteht sich auf atmosphärisch dichte Inzenierungen. Die klaustrophobische Stimmung in "Predator" oder die fast aussichtslose Situation John McClanes in "Stirb Langsam" waren durch eindrucksvolle Bilder und Klangkulissen treffend eingefangen. "Medicine Man" lässt all das leider vermissen. Stattdessen handelt es sich bei diesem Film um ein solides Urwald-Abenteuer, das zwar über seine Laufzeit zu unterhalten weiß. aber ohne jeden Nachklang verblasst, sobald der Abspann läuft. Auch wenn John McTiernan drei Mal mit Michael Kamen und zweimal mit Bill Conti zusammen arbeitete, so scheint es bei diesem Regisseur kaum einen Stammkomponisten zu geben. Als er 1992 "Medicine Man" drehte, hatte er bereits je einmal mit Bill Conti, Michael Kamen, Alan Silvestri und Basil Poledouris kollaboriert. "Medicine Man" wurde letzten Endes von Jerry Goldsmith vertont, der sich anfang der der 90er von seinem kreativen Tiefpunkt mit der wegweisenden Musik zu "Basic Instinct" langsam zu erholen schien und sich für die letzten zehn Jahre seines Schaffens auf sauber gearbeitete Routine mit einigen wenigen Höhepunkten einpendelte. In den 70er Jahren hatte der Komponist mehrfach Filmmusiken mit südamerikanischem Einschlag geschrieben wie "Cabo Clanco", "High Velocity" und "Breakout". Der Höhepunkt dieser Reihe dürfte "Under Fire sein", der zwar heute stark unter der veralteten Elektronik leidet, aber dennoch über eine Fülle an äußerst cantabilen Melodien mit südamerikanischen Einschlag verfügt und von dem brillanten Spiel Pat Methenys profitiert. "Medicine Man" war somit nach "Under Fire" die erste Filmmusik des Komponisten, die nach südamerikanischen Elemente verlangte. Für die Untermalung der weitschweifigen Aufnahmen des Dschungels und die darin statt findende Hadlung stand Jerry Goldsmith ein durchschnittlich besetztes Symphonieorchester zur Verfügung, dessen Klangkörper er - typisch für diese Zeit - mit einer Bandbreite elektronischer Effekte erweiterte. Die Musik ist traditionell durch mehrere Leitmotive strukturiert, von denen gleich zwei die Musik zum Vorspann bestreiten. Zum einen komponierte Goldsmith ein sehr fröhliches, klassisch südamerikanisch anmutendes Thema für die Eingeborenen, das mit verschiedenen Gitarren, Panflötensyamples und elektronischen Flötenklängen vorgetragen wird. Das Gegenstück bildet die Musik für die vorrückenden Bauarbeiten, die von einem elektronischem Fundament aus klassisch dumpf klingenden künstlichen Tomtoms und einem elektronischen Puls getragen wird. Auch das aus einer Linie aus langen Tönen bestehende Thema wird von einem Mischklang aus akustischen Holzbläsern und elektronischen Effekten zu Gehör gebracht und von einem Hornkontrapunkt flankiert. Neben einigen lateinamerikanisch folkloristischen Passagen tritt auch eine fast meditative Akkordfolge der Harfe in einigen nachdenklichen Augenblicken auf. Der Kern der Musik allerdings ist das Hauptthema, das für die Beziehung zwischen Crane und Campbell und die Schönheit der Natur steht. Hier komponierte Goldsmith eins der schönsten Themen seines Spätwerks, eine äußerst lyrische Melodie, die anmutig von den mittleren Streichern und Hörnern gespielt wird. Während Cambpells und Cranes ersten Ausflug in die Höhen des Regenwaldes schöpft Goldsmith dieses Thema in einem sechsminütigem Orchesterstück voll aus und treibt es von einem triumphalen Höhepunkt zum nächsten. Glücklicherweise kommt diese Passage fast vollständig ohne Elektronik aus, denn mit dieser hat es dieselbe Bewandnis wie mit den Synthesizern in "Under Fire" und anderen Filmmusiken des Komponisten. Sie sind hemmungslos veraltet, klingen billig und plastikhaft. Besonders die Vorspannmusik zu "Medicine Man" leidet unter dem steten Eletrkonikeinsatz wie auch mehrere andere Stücke, zumal sich die Musik nahezu vollständig hätte akustisch realisieren lassen, da Goldsmith ja einzelne Solosintrumente und ein voll besetztes Orchester zur Verfügung standen. Somit wird einem des Öfteren die Freude an dieser detailreichen und heiteren Musik merlich getrübt. Da diese in Europa aufgenommen wurde, war es Varèse Sarabande allerdings glücklicherweise möglich, die übliche Laufzeit von einer halben Stunde generös zu überschreiten, sodass bei dem Album mit 50 Minuten Laufzeit fast die vollständige Filmmusik in chronologischer Reihenfolge vorliegt. Der Hörgenuss dieser einfallsreichen Musik ist leider durch die veraltete Elektronik stark getrübt, aber die wundervollen sechs Minuten zu "The Trees" sind den Kauf alleine wert.
  14. The Ghost and the Darkness - Der Geist und die Dunkelheit Der britische Ingenieur John Patterson ist von dem afrikanischen Kontinent begeistert und fasziniert. Umso glücklicher wird er, als er 1898 von Sir Robert Beaumon beauftragt wird, in der britischen Kolonie eine Brücke über dem Fluss Tsavo zu errichten, die eine Eisenbahnlinie durch die Steppe ermöglicht und so die Grenzen der Kolonie verbindet. Pattison verabschiedet sich von seiner schwangeren Frau, der er verspricht noch vor Geburt des Kindes zurück zu kehren und macht sich auf die Reise. An der Baustelle trifft er den britischen Aufseher Angus Starling, der sich stets im Streit mit David Hawthorne, dem Doktor befindet sowie Samuel, einen afrikanischen Eingeborenen, der das Vertrauen aller Arbeiter genießt. In dem Lager herrscht allgemeine Spannung, die von den unterschiedlichen Religionen der Arbeiter herrührt. Außerdem wurden mehrere Menschen von einem Löwen attackiert, der nachts um das Lager herumschleicht. Schon in der ersten Nacht nach seiner Ankunft legt sich Pattison auf die Lauer und erlegt das Raubtier mit nur einem Schuss. Dadurch gewinnt er auf einen Schlag das Vertrauen sämtlicher Menschen auf der Baustelle, sodass die Arbeiten zügig und erfolgreich vorankommen. Eines Nachts jedoch wird Mahina, ein afrikanischer Vorarbeiter, nachts von einem Löwen aus seinem Zelt geschleift und in der Steppe zerfleischt. Jede Hilfe kommt zu spät. Tags darauf greift ein Löwe sogar mitten im Lager einen Arbeiter an. Bei einem Rettungsversuch kommt Sterling ums Leben und bald darauf wird klar, dass es sich um zwei Löwen handelt, die von den Arbeitern bald "Der Geist und die Dunkelheit" getauft werden. Obwohl mehrere Vorkehrungen getroffen werden, fallen immer wieder Menschen den Tieren zum Opfer und Pattersons Versuche, die Löwen zu erlegen, schlagen fehl. Als Sir Robert Beaumon die Baustelle besichtigt und äußerst unzufrieden über den mittlerweile schleppenden Verlauf der Arbeiten ist, verspricht er, den berühmten Großwildjäger Charles Remington zu benachrichtigen, der bald darauf mit mehreren Massai-Kriegern eintrifft. Am nächsten Tag macht sich Pattison mit Remington und den Kriegern auf die Jagd, als der Ingenieur plötzlich einer der Raubkatzen Auge in Auge gegenüber steht... Fast genau 100 Jahre nach den blutigen Ereignissen wurden die Vorkommnisse an einer britischen Baustelle auf die Leinwand gebracht. Der einleitende Satz, dass alles gezeigte der Wahrheit entspräche, ist allerdings - wie in jeder Verfilmung historischer Ereignisse - mit Vorsicht zu genießen. Im Jahre 1898 hielten tatsächlich zwei männliche Löwen eine Baustelle am Fluss Tsavo für neun Monate in Angst und Schrecken. Der zuständige britische Ingenieur Patterson behauptete, die Löwen hätten 135 Menschen getötet, bisher konnte immerhin nachgewiesen werden, dass die Raubkatzen immerhin 35 der Arbeiter verspeist haben. Für die Gründe des aggressiven und untypischen Verhaltens der Löwen gibt es verschiedene Theorien. Neben der schlüssigen und weit verbreiteten These, die Löwen hätten sich wegen Futterknappheit an Menschen vergangen, ist es auch möglich, dass zumindest einer der Löwen geistesgestört war. Der Schädel weist einige Anomalien auf, die das Jagdverhalten des Tieres beeinträchtigt haben könnten. Das erklärt allerdings nicht das Verhalten des anderen Löwen. Colonel Patterson jagte und erlegte die beiden Raubkatzen schließlich nahezu im Alleingang. Somit ist die Figur des Großwildjägers Charles Remington, der von dem anglo-amerikanischen Großwildjäger Cahrles Ryall inspiriert wurde, reine Fiktion. Auch die Löwen entsprechen nicht der Rasse der Raubkatzen damals, die nämlich nicht über eine fotogene Mähne verfügten. Abgesehen von derartigen historischen Unstimmigkeiten und fiktiven Charakteren ist Regisseur Stephen Hopkins allerdings ein sehr unterhaltsamer und atmosphärisch dicht inszenierter Abenteuerfilm gelungen, der besonders durch die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des Nationalparks Songimvel und der detaillierten Ausstattung gewinnt. Auch wenn man einige historische Fakten außer Acht ließ, so wurde doch auf Authentizität geachtet. Allerdings sind die Actionszenen nicht ganz zufriedenstellend. Oftmals sieht man die Löwen nicht richtig oder aber die Protagonisten stellen sich teilweise überflüssig dumm an. Im entscheidenden Moment hat das Gewehr Ladehemmungen, fällt die Waffe runter, stolpert man etc. Das wird bei rund fünf Auseinandersetzungen Pattersons mit den Löwen schließlich vorhersehbar und ermüdend. Somit überzuegt der Film besonders durch seine Schauwerte. Die Massai-Krieger, mit denen Remington eintrifft, sind tatsächliche Stammeskrieger und für die Löwen wurden fast durchgängig echte Tiere eingesetzt. Auch die Schauspieler sind allesamt treffend besetzt. Val Kilmer sieht dem historischen Vorbild des Colonel Pattersons absolut nicht ähnlich, verkörpert den afrikafaszinierten, ehrgeizigen jungen Ingenieur allerdings vielschichtig und sympatisch. Michael Douglas, der auch an der Prodution beteiligt war, scheint seine Rolle als leicht schrulliger Großwildjäger Remington sichtlich Spaß zu machen. John Kani als bedachter Samuel überzeugt durchweg und Bernard Hill nimmt man den Arzt voll ab. Tom Wilkinsson spielt den rücksichtslosen Robert Beaumont mit perfektem Benehmen herrlich zwiespältig und Brian McCardie verdient sich als redefreudiger Angus Sterling einige Sympathiepunkte. Insgesamt ist "Der Geist und die Dunkelheit" ein schön fotografierter, atmosphärisch dichter und mit durchweg guten Schauspielern besetzter Abenteuerfilm, über dessen Schwäche in den Actionszenen man hinwegsehen kann. In den letzten Jahren seinen lebens steuerte Jerry Goldsmith einige überzeugende Beiträge in den Katalog der Abenteuerfilmmusiken in den 90er Jahren bei, zu denen auch "Der Geist und die Dunkelheit" ohne Frage gehört. Der Komponist hatte bereits zwei Jahre zuvor mit "Congo" ein in Afrika angesiedeltes Abenteuer vertont, sollte diese Musik allerdings selbst übertreffen. Die grötenteils orchestral gehaltene Musik ist mit mehreren Leitmotiven versehen. Für den Protagonisten schrieb Goldsmith ein tänzerisches Flötenthema, was sofort Assoziationen an die irische Heimat des Ingenieurs Patterson weckt. Dieses Thema wird allerdings von afrikanischen Handtrommeln begleitet, sodass von Anfang an beide Erdteile musikalisch miteinander verbunden werden und Pattinsons Faszination für den exotischen Kontinent zum Ausdruck kommt. Die bildschöne Landschaft fing der Komponist mit einem erhabenen Hornthema ein, dass sich fast hymnisch über ausladende Streicher und massive Schlagzeugbegleitung steigert. Das Blech spielt ohnehin eine bedeutende Rolle in der Musik, die fast durchgehend auf schweren und erhabenen Charakter ausgelegt ist. Auch für die Löwen komponierte Jerry Goldsmith ein erhabenes und ausladendes Thema, das hauptsächlich auf einem gebrochenen Moll-Akkord basiert und in den Hörnern erklingt. Neben dem typischen Arsenal an Synthsizern, die allerdings nur sporadisch zum Einsatz kommen, standen dem Komponisten ein Gesangsensemble aus indischen und afrikanischen Stimmen sowie der Solist Nusrat Fateh Ali Khan zur Verfügung. Das Potential des Chors, der der sehr westlich geprägten Musik eine spezifische Farbe hätte verleihen können, wird allerdings nicht genutzt. Stattdessen wurde der Gesang in den Media Venture Sutdios seperat aufgenommen und teilweise gesampelt wie die kriegerischen Rufe, die elektronisch zu einem künstlichen Hauchen verzerrt wurden, das während der Vorspannmusik den Hörgenuss deutlich trübt, weil es sich in den Orchesterklang überhaupt nicht einfügt. Auch der Sologesang während des Löwen-Themas ist deutlich gesampelt und wirkt zu rau und künstlich. Es ist völlig unklar, warum man so mit den Stimmen umgegangen ist, aber ein Gewinn ist es für die Musik nicht. In den Actionpassagen sagt sich Goldsmith erfrischenderweise von seinen Ostinatostrukturen los und lässt der Klanggewalt des Orchesters mit massiven Schlagwerkattacken, Blechakkorden und gehetzten Streicherrhythmen freien Lauf. Die ungebändigte Musik für die Angriffe der Raubkatzen lässt sich somit mit ähnlichen Momenten aus dem zur selben Zeit entstandenen "The Edge" vergleichen. Zum Filmstart erschien ein CD-Album, das alle wichtigen Passagen und Themen in einer dem Hörfluss sehr zuträglichen Präsentation enthielt. Eine längere Bonussektion, die vielleicht auch Freunde der Weltmusik zum Kauf anregen sollte, wird durch fünf Gesänge des gemischten Chors und Nusrat Fateh Ali Khans bestritten. Auch wenn diese Sektion dem Goldsmith-Puristen wenig attraktiv erscheint, so ist sie dennoch eine nette stimmungsvolle Zugabe, die aber leider auch deutlich macht, welches Potential mit den gesampelten Stimmen in der orchestralen Filmmusik verschenkt wurde. Die CD ist mittlerweile vergriffen und nur noch zu gehobenen Preisen erhältlich, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die expandierte Neuauflage auf dem Markt erscheinen wird. Jerry Goldsmith schrieb für "The Ghost and the Darkness" eine melodisch inspirierte, mit vielen erhabenen Blechmomenten und heftigen Actionpassagen aufwartende Abenteuerfilmmusik.
  15. Zumal die Versandkosten pauschal sind. Die endgültigen Versandkosten kommen wenige Minuten nach der Bestellung auf der Rechnung und halten sich mit der Ecke die Waage.
  16. Flöten hat er leider viel zu oft unnötigerweise gesampelt: "Matinee", "Gremlins", "Under Fire", "Lionheart"... Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir bei den ruhigen "Amy"-Passagen gedacht habe: "Im Zweifel für den Angeklagten." denn ich konnte nicht ganz genau entscheiden, ob es sich wirklich um gesampelte oder echte Boomwhackers handelt.
  17. Congo R.B. Travis ist der Gründer und Chef der TraviCom CEO, einem Energieunternehmen, das durch einen gewaltigen Satelliten eine Monopolstellung innehat. Doch der ehrgeizige und rücksichtslose Geschäftsmann weiß genau, dass ihm dieser Vorsprung durch die Entwicklungen auf dem Gebiet der Energiegewinnungen bald verloren gegangen sein wird und so sucht er nach weiteren Quellen. Im Kongo soll es ein Vorkommen von bestimmten blauen Diamanten geben, die - in ein spezielles Gerät eingebaut - Unmengen Energie erzeugen können. Er beauftragt seinen Sohn Charles mit einer Expedition in dieses Gebiet, um die Diamanten ausfindig zu machen. Der wird tatsächlich fündig und kontaktiert seinen Vater sowie die Elektronik-Expertin Karen Ross, mit der er einst verlobt war, und präsentiert ihnen per Video die Wirkung eines gefundenen Diamanten. Wenig später jedoch wird die Expedition von einem mysteriösen, äußerst aggressiven Wesen mit grauem Fell überfallen und zerfleischt, sodass Travis und Ross bei dem nächsten Videokontakt nur leblose Körper und ein zerstörtes Lager erkennen können. Travis ist außer sich und sendet eine weitere Expedition mit Karen Ross in den Kongo. Die ehemalige Verlobte Charles' ist misstrauisch und wirft dem Energiemogul vor, er würde nur aus Habgier und nicht seines Sohnes wegen eine weitere Expedition finanzieren, doch ihre immer noch vorhandene Zuneigung bewegt sie zum Antritt der Reise. Bei ihrer Ankunft am Flughafen im Kongo trifft sie neben dem Expeditionsleiter Captain Munro Kelly auf die beiden amerikanischen Forscher Dr. Peter Elliott und seinen Assistenten Richard, die es geschaft haben, dem Gorillaweibchen Amy beizubringen, sich über Zeichensprache mit Menschen verständlich zu machen. Allerdings schien Amy immer wieder von Alpträumen geplagt und auf den Bildern, die sie malte, stets den Dschungel zu malen, sodass Elliot und sein Assistent beschlossen haben, sie in ihre Heimat, den Dschungel, zurückzubringen. Dieses Unternehmen sollte durch den dubiosen rumänischen Geschäftsmann Herkermer Homolka finanziert werden, der sich als großer Menschenfreund ausgibt. Als aber seine finanziellen Mittel schon bei der Bezahlung des Flugzeugtreibstoffes versagen, greift Karen Ross ein und schon bald macht sich die gemischte Gruppe auf in den Dschungel... Kaum einer von Michael Crichtons Roman wurde bisher nicht verfilmt. Während der Schriftsteller früher selbst noch Regie führte und seine eigenen Romane wie "Der große Eisenbahnraub" zu ansprechenden Leinwandabenteuern machte, war ihm der Erfolg stets als Schriftsteller, nicht aber als Regisseur sicher, sodass später stets andere Leute seine Bücher auf die Leinwand brachten. Nachdem die Verfilmung von "Jurassic Park" zu einem der erfolgreichsten Filme der 90er Jahre wurde, kam man schnell auf die Idee, ein weiteres Crichton-Buch vor exotischem Hintergrund auf die Leinwand zu bringen. Tatsächlich spielte "Congo" 1995 das Dreifache seiner Kosten ein, dennoch verfügt der Film über mehrere Schwächen. Die Vorlage bietet nicht nur die Möglichkeit für ein unterhaltsames Urwald-Abenteuer, sondern durch die zwar eindimensional aber zwilicht gestalteten Charaktere auch Platz für einige interessante psychologische Spannungen. So sind Ross, Elliot und Munro zwar intelligent, sozial aber unterbelichtet und scheren sich nicht um ihre Mitmenschen, sondern haben hauptsächlich die Erfüllung ihrer Aufgabe im Sinn. Im Film wurden die Protagonisten jedoch durchweg als sympatische Menschen dargestellt, wahrscheinlich, damit sich das Publikum besser mit ihnen identifizieren kann. Stattdessen wurde R.B. Travis, der im Roman stets um die Sicherheit seiner Leute besorgt ist, zum emotionslosen Großindustriellen gemacht, dem sogar das Leben seines Sohnes egal ist. Auch die aufkeimende Beziehung zwischen Karen Ross und Peter Elliot kommt im Buch nicht vor. Die Ausstattung trägt mit ihrer kulissenhaften Studiooptik und den mangelhaften Effekten gegen Ende des Films sehr zum B-Film-Charakter von "Congo" bei. Obwohl die Animation von Dinosauriern mit glatter Haut zwei Jahre zuvor in "Jurassic Park" möglich war, war die CGI-Technik noch nicht weit genug entwickelt, Haare naturgetreu zu imitieren, sodass die Affen allesamt kostümierte Menschen oder aufwendig mit Animatronik versehende Puppen sind. Besonders Amy ist allerdings besonders gelungen und wirkt in vielen Einstellungen auch heute noch täuschend echt. Die Schauspieler stammen allesamt aus der B-Riege und leisten größtenteils solide Darstellungen. Laury Linney, Dylan Walsh und Ernie Hudson bilden ein recht farbloses Protagonistentrio, höchstens Tim Curry kann seiner Rolle als Homolka etwas abgewinnen und Joe Don Baker macht seine Arbeit in der Rolle des Energiemoguls durchaus überzeugend. Insgesamt wurde mit "Congo" zu keinem Zeitpunkt das große Vorbild erreicht, stattdessen entstand ein äußerst durchschnittlicher B-Abenteuerfilm ohne nennenswerke Stärken, der durch die schlecht gealterten Effekte und die blassen Charaktere zu Recht in Vergessenheit geraten ist. Zur Musik: Jerry Goldsmith und Michael Crighton verbindet eine enge Freundschaft. Der Komponist hat in den 70er und 80er Jahren viele Filme des Autorenfilmers vertont und nachdem dieser schließlich aufhörte, Filme zu drehen, setzte sich Crighton, der anscheinend recht despotisch veranlagt gewesen sein soll, stets für Goldsmith ein, sodass auch weitere Crighton-Verfilmungen von dem Komponisten vertont wurden. Diese langjährige Verbindung dürfte dazu beigetragen haben, dass Goldsmith, der sich Anfang der 90er bewusst kleineren Produktionen zuwandte, wieder Musik zu einen größeren Abenteuerfilm komponierte. Wurde "Congo" gedreht, um auf den Zug von "Jurassic Park" aufzuspringen, basiert eine der zentralen musikalischen Ideen des Films auf einem anderen in Afrika gelagerten Kinoerfolg der 90er Jahre. Jerry Goldsmith tat sich mit dem Komponisten Lebo M zusammen, dessen berühmter Gesang den "König der Löwen" eröffnete. Für "Congo" steuerte der Komponist einen Song namens "Spirit of Africa" bei, der den Film während des Vor- und Abspanns einrahmt. Mit massiven Schlagwerkrhyhtmen, afrikanischem Chorgesang und Lebo Ms Stimme entspricht "Spirit of Africa" dem typischen Zeitgeist der 90er-Jahre-Weltmusik, bevor Goldsmiths Hauptthema einsetzt und nun die größtenteils orchestrale Filmmusik einleitet. Für die Aufnahmen standen dem Komponisten neben einem durchschnittlich besetzten Orchester, seinem gewöhnlichen Arsenal an Synthsizern auch eine groß besetzte Schlagwerksektion zur Verfügung, die um mehrere exotische Perkussionsinstrumente bereichert wurde. Für "Congo" komponierte Goldsmith ein schlichtes, aber sehr erhaben klingendes Hauptthema, das sich wie ein roter Faden durch fast alle Stücke der Musik zieht. Oftmals erklingt es während der Landschaftsaufnahmen als kräftige Hornmelodie über Streicherflächen und Schlagzeugrhythmen. Auch das Gorillaweibchen Amy erhielt ein eigenes Thema: Eine sanfte Flötenmelodie, die über Boomwhackers und einige glitzernde Synthieeffekte erklingt. Von seinen elektronischen Geräten macht Goldsmith allerdings wenig Gebrauch und verlässt sich auf die Möglichkeiten seines Orchesterapparats. Insbesondere die knackigen Actionpassagen überzeugen durch an hohes Maß an Frische und Tempo. Der Komponist setzt hier ausnahmsweise nicht auf seine klassischen Ostinati, sondern wartet mit furios begleiteten kräftigen Darbietungen des Hauptthemas in den Streichern und Blechbläsern auf. Auch der Kampf mit den Flusspferden ist mit den hämmernden Ambossen, der treibenden Perkussion und den abgehackten Bläserakkorden sehr effektvoll vertont. "Congo" bietet nach der kreativen Tiefphase der späten 80er und den oftmals weniger spannenden Dramenscores der 90er wieder erfrischende und unterhaltsame Orchestermusik aus der Feder des Altmeisters. Zum Filmstart erschien eine kommerzielle CD-Veröffentlichung mit den wichtigsten Passagen der Musik, die ausnahmsweise in chronologischer Reihenfolge angeordnet sind. Die Gestaltung des Albums ist jedoch schlichtweg katastrophal, denn weder enthält das Booklet Informationen zum Film oder der Musik, noch eine korrekte Titelliste. Die einzelnen Stücke sind auf der Rückseite des Einlegers nämlich absichtlich in falscher Reihenfolge abgedruckt! Die richtige Reihenfolge findet sich nur auf der CD selbst! Mittlerweile ist das Album jedoch längst vergriffen, aber im Zuge der zahlreichen expandierten Goldsmith-Veröffentlichungen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich ein Label dieser Musik wieder annimmt!
  18. Zum Glück hat der Club den noch...hätte ich mir ja nie verziehen, wenn mir der durch die Lappen gegangen wäre.
  19. Leviathan Die Tri Oceanic Mining Corporation betreibt Schürfstationen auf dem Meeresgrund, deren Mitarbeiter 90 Tage in 16 000 Fuß Tiefe Edelmetalle wie Silber gewinnen. In so einer Anlage aus langen metallischen Tunneln und Räumen mit äußerst dicken Glasscheiben hat Aufseher Stephen Beck das Kommando über seine vier männlichen Arbeiter Justin Jones, G.P. Cobb, Tony „DeJesus“ Rodero, Buzz „Sixpack“ Parrish und die beiden Frauen Elizabeth „Willie“ Williams und Bridget Bowman. Der Arzt Dr. Glen Thompson sorgt immer wieder für Konflikte, da er seine Aufgabe nicht all zu ernst nimmt und sogar während eines akuten Notfalls, der Tony Rodero fast das Leben gekostet hätte, nicht aufzufinden war. Als die Besatzung am vorletzten Tag ihrer 90-tägigen Schicht unter der Aufsicht von Beck und Dr. Thompson in ihren Unterwasseranzügen auf dem Meeresgrund nach Edelmetallen suchen, ist Sixpack plötzlich verschwunden. Elizabeth Williams macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Kollegen und entdeckt das Wrack eines gesunkenen russischen Frachters. Dort trifft sie auch Sixpack an, der einen Tresor gefunden hat, den die beiden in die Schürfstation bringen. Neben einer Videokassette und einigen Akten findet die Mannschaft eine Wodkaflasche, die sofort von Beck wegen eines Alkoholverbots konfisziert wird. Sixpack entdeckt allerdings einen kleinen mit Wodka gefüllten Flachmann zwischen den Aktenordnern, den er heimlich an sich nimmt und gemeinsam mit Bridget Bowman leert, nachdem ein Versuch der Mannschaft gescheitert ist, an die Flasche zu kommen. In der Zwischenzeit hat sich Dr. Thompson die Videokassette angesehen und informiert Beck, dass sich der Frachter höchstwahrscheinlich selbst versenkt hat, nachdem an Bord eine Infektion ausgebrochen ist. Die Männer haben sich anscheinend geopfert, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Am nächsten Tag klagt Sixpack über Unwohlsein und der Stationsarzt sieht, dass sich seine Haut am Rücken verändert. Wenig später stirbt Sixpack, was allerding von Thompson und Beck verheimlicht wird, um eine Panik zu verhindern. Dann erkrankt auch Bridget, die wenig später stirbt und es wird klar, dass der Wodka die Ursache für die Virusinfektion ist. Schon bald beginnen die beiden Leichen zu mutieren und wieder zum Leben zu erwachen. Die Situation verschärft sich, als die Chefin der Tri-Oceanic Corp Beck mitteilt, dass ein Sturm auf dem Meer den Abtransport der Mannschaft verzögert... Das Konzept von einer kleinen Gruppe Menschen, die mit einem gefährlichen Ungeheuer in einem eng begrenzten Raum kämpfen, wurde von den Regisseuren Ridley Scott in "Alien" und John Carpenter in "Das Ding" äußerst beeindruckent auf die Leinwand gebracht. "Leviathan" entstand durch das Vorhaben des Studios, den Film noch vor James Camerons "The Abyss" in die Kinos zu bringen und so das Rennen zu machen. Dabei wurde das "Alien"-Konzept treffenderweise auf den Meeresgrund versetzt, doch leider lässt "Leviathan" mehrere wichtige Elemente der Vorbilder vermissen. Was Scott und Carpenter so brillant eingefangen haben, war die Ironie, dass die Protagonisten sich zwar in einer weiten, unendlichen Umgebung befanden, aber doch nicht fliehen konnten. Das Raumschiff aus "Alien" oder die Forschungsstation in "Das Ding" waren von langen Tunnelsystemen und einer technischen Ausstattung geprägt. All diese optischen Elemente finden sich auch in "Leviathan", allerdings gelingt es Regisseur George P. Cosmatos zu keinem Zeitpunkt, die atmosphärische Dichte der Vorbilder zu erreichen. Weder vermag er den klaustrophobischen Aspekt der Situation einzufangen, noch schafft er es, die in sich verschlungenen Tunnel zu einem verwirrenden Labyrinth von Fluchtwegen und Sackgassen zu machen. Dabei wäre besonders durch die sehr stimmigen Kullissen hierzu die Möglichkeit gewesen. Auch sonst wirkten hinter der Kamera viele erfahrene Leute mit wie Alex Thomson (Alien 3), oder der Maskenbildner Stan Winston, der bei "Aliens" mitarbeitete. Allerdings wurde das Potential der (wenn auch nicht neuen) Idee und der Ausstattung nicht richtig genutzt. "Leviathan" kann sich von seiner B-Film-Atmosphäre zu keinem Zeitpunkt lösen und bleibt inszenatorisch mittelmäßig. Hierzu tragen allerdings auch die Schauspieler bei, die bis auf Richard Crenna als Dr. Thompson und Daniel Stern als chauvinistischer Sixpack alles andere als Glanzleistungen abliefern. Meg Fosters emotionslose, fast maschinenhafte Darstellund der Firmenchefin wirkt teilweise unfreiwillig komisch und der Rest der Darsteller wirkt wenig ambitioniert, was dem Film nicht besonders gut tut. Das durchweg physisch erstellte Monster hingegen ist auch heute noch furchteinflößend und wirkungsvoll. Insgesamt ist "Leviathan" zu Recht in Vergessenheit geraten, da dieser Film zu keinem Zeitpunkt an die großen Vorbilder "Alien" und das "Ding" heran kommt und man daher lieber gleich den Originalen den Vorzug geben sollte. "Leviathan" ist nach "Cassandra Crossing" (1976) und "Rambo II" (1985) die dritte Kollaboration zwischen Regisseur George Pan Cosmatos und Jerry Goldsmith, der für den Unterwasser-Horrorstreifen eine atmosphärsich außerst dichte Musik komponiert. Hierfür setzt der Komponist seine Kombination aus orchestraler Filmmusik mit elektronischen Elementen ein, die er rund fünf Jahre zuvor in "Gremlins" vollends auslotete. Alleine die Vorspannmusik zeigt nicht nur, dass Goldsmith äußerst versiert in kompositorischer und dramaturgischer Gestaltung seiner Musik war, sondern auch seine Elektronik äußerst wirkungsvoll einsetzen konnte. Gleich zu Beginn erklingt in der Solotrompete kurz das Hauptthema, das jedoch von einem kurzen Orchesterausbruch zum Verstummen gebracht wird. Anschließend führt der Komponist mit einem sehr schlichten Motiv aus vier Tönen in den Harfe, dann in den Streichern und Hörnern über zwei Minuten eine fast brucknerische Steigerung durch. Dabei werden die vier stets wiederholten Töne harmonisch immer wieder neu beleuchtet und schattiert. Flankiert wird diese Steigerung von einigen zischelnden und blubbernden Effekten sowie einem von Goldsmiths interessantesten Einfällen im Laufe seiner Karriere: Synthetische Walgesänge durchziehen den sanften, stets anschwelllenden Klang der Streicher und der Harfe. Schließlich erreicht die Musik ihren Höhepunkt und erstmals erklingt das Hauptthema in voller Pracht in der Solotrompete über ein ausladendes Fundament der Streicher. Die Fähigkeit des Komponisten, einem Thema stets neue Facetten abzugewinnen, zeigt sich im weiteren Verlauf des Films, denn aus dem ruhigen und noblen Hauptthema wird zum Finale eine strahlende Fanfare. Für die Beziehung zwischen Stephen Beck und Elizabeth komponierte Goldsmith ein schlichtes, eingängiges Liebesthema, das klassisch als Klaviermelodie über sanfte Streicher erklingt. Hier leidet das Klangbild allerdings stark an dem viel zu harten, digitalen E-Piano-Klang. Mit einem richtigen Klavier wäre diese schlichte, aber nette Melodie viel weniger gealtert. Die restliche Musik, die entweder aus atmosphärischer Suspensemusik oder Actionpassagen besteht, ist zwar zu keinem Zeitpunkt so konsequent komponiert wie die Vorspannmusik, dennoch liegt fast allen Stücken ein stetig anwachsender spannungsaufbau zu Grunde. Die brutalen Orchesterausbrüche sind meistens frei von der typischen Action-Ostinato-Struktur. Goldsmith erweist sich in "Leviathan" oftmals als experimentierfreudig, was den Einsatz der Elektronik betrifft, der in seinem Spätwerk oft aus verzichtbaren Einsprengseln besteht. Schabende, pochende und schrille Effekte sorgen für eben die klaustrophobische, furchterregende Stimmung, die der Film nicht suggerieren kann. Zum Filmstart erschien bei Varèse-Sarabande eine CD, die mit 37 Minuten alle wichtigen Ideen und Passagen repräsentiert. Die meisten Stücke, die fehlen, sind atmosphärisch-elektronischer Natur, die den Hörfluss vielleicht etwas verlangsamen würden. Leider ist das Album seit längerer Zeit vergriffen und es bleibt zu hoffen, dass sich bald ein Label dieser Musik annimmt, denn Goldsmith schuf hier eine atmosphärisch äußerst dichte Partitur, die mit konsequenten musikalischen Strukturen und kreativem Einsatz der Elektronik aufwartet.
  20. Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte: "Logan's Run" von Jerry Goldsmith!
  21. Gern geschehen! Ich freue mich, wenn ich helfen kann! Dann fühle Dich nicht angesprochen und beziehe das bitte nicht auf Dich! Es kam leider nur schon so oft vor und da befürchtete ich, dass es wie in so vielen Fällen versickert oder die Sache hier eskaliert, ohne dass der Thread-Gründer davon etwas hat bzw. sich darum kümmert. Bei Dir ist's anders und daher münze das nicht auf Dich! Ich finde es immer sehr lobenswert, wenn Leute sich aufraffen, etwas Neues zu entdecken und empfehle Dir, auch mal in älteren Threads hier zu graben, denn auch dort wird man oft fündig. Ansonsten: Fragen, Schreiben, Hören!
  22. Die Missverständlichkeit des Titels wurde ja bereits ausgeführt. Natürlich wird eine Kanonisierung immer lückenhaft bleiben, natürlich sollte man nicht nur einfach alle Meilensteine der Filmmusik abdecken, noch weniger glücklich wird man aber, wenn man nur populäre Titel abdeckt, weil man dann viele Perlen verpasst. Nochmal: Der eigene Geschmack hat aber bei der Aufstellung eines Kanons (wogegen ich eigentlich immer bin, aber es wurde ja im Thread gefordert) nichts verloren. Sonst würde ein Mozart-Fan, der Wagner nicht mag, in den Kanon der E-Musik zwar ganz viel Mozart listen, aber keine Wagner-Oper. Auf der ersten Seite genannten Alben wie "Single Man", "Copernicus Star" und "Ides of March" mögen zwar dem Ohr vieler Hörer schmeicheln, haben MUSS man die allerdings nichts wenn es erstmal darum geht, sich einen Überblick über die wichtigsten Filmmusiken zu verschaffen. Das spricht den genannten Werken allerdings auch nicht die Qualität ab. Was ich aber generell ziemlich ärgerlich finde ist, wenn Leute ins Forum kommen, einen Thread eröfnnen und nach Empfehlungen fragen und sich dann aber nur noch höchstens zweimal im eigenen Thread blicken lassen, während sich die Leute hier Mühe geben, entsprechende Antworten zu formulieren oder sich die Köpfe heiß diskutieren. Insofern hielte ich es für sehr angebracht, wenn sich Nick mal wieder zu Wort melden könnte und einige Rückmeldungen zu den Antworten hier geben würde!
×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Wir nutzen auf unserer Webseite Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Wenn Sie weiter auf unserer Seite surfen, stimmen Sie der Cookie-Verwendung und der Verarbeitung von personenbezogenen Daten über Formulare zu. Zu unserer Datenschutzerklärung: Datenschutzerklärung