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Alle Inhalte von Sebastian Schwittay
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Ich glaube, wir sollten uns alle mal wieder vor Augen führen, dass Filmmusik ein Randgebiet, und auch Goldsmith ein absolutes "Special Interest" ist. Es ist ja nicht so, als ob diese Goldsmith-Kanonisierung besonders hohe Wellen schlagen und CAPRICORN ONE und THE MUMMY nun aus jedem Konzertsaal tönen würden. Gegen die Popularität eines Williams ist Goldsmith immer noch weitgehend unbeackertes Spezialisten-Terrain, das auch wissenschaftlich kaum erschlossen ist - also meine Güte: lasst es doch einfach geschehen, dass immerhin ein paar amerikanische Underground-Label sich um sein Andenken verdient machen. Es ist wirklich manchmal ganz heilsam, ein bisschen über die Grenzen der eigenen Connaisseur-Bubble hinauszuschauen.
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Bei North und Friedhofer und einigen anderen Namen stimme ich dir zu, dass die Vielfalt hier auch qualitativ gerechtfertigt war. Wenn ich mir allerdings ansehe, wie wenig mittlerweile etwa von Victor Young, Leigh Harline und anderen Golden-Age-Komponisten aus der zweiten Reihe, und wieviel dagegen noch von Goldsmith oder Williams veröffentlicht wird, komme ich nicht umhin, auch ein bisschen Gerechtigkeit darin zu sehen. Es tut mir ja leid, dir das wieder unter die Nase reiben zu müssen, aber Goldsmith gehört nicht umsonst zu den geschätztesten Komponisten der US-Filmmusik, und ich kenne etwa keinen Score vom (recht überschätzten) Victor Young, der einem starken bis meisterlichen Goldsmith im musikalischen Erfindungsreichtum auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. Auch die von einigen immer wieder als hocherfreuliche Veröffentlichung angepriesene Western-Box von LaLaLand finde ich vom Musikalischen her auch nur bei Waxman, (teilweise) Newman und Raksin überzeugend. Oder um es anders zu formulieren: auch im Golden Age gab es haufenweise standardisiertes, schnell runterschriebenes und abgesehen vom mitunter feurigen Gestus wenig memorables Zeug, das nicht ganz zu Unrecht keinen Einzug in die heiligen Hallen des Kanons gefunden hat. Vielfalt schön und gut, aber am Ende kehrt der Mensch halt doch immer wieder zum Besten und Erhabensten zurück. Nicht von der Hand zu weisen ist natürlich die überragende Bedeutung von North und Waxman, die man diskographisch natürlich auch in Gänze erschließen müsste (Friedhofer durchaus auch). (Wenn ich gehässig wäre, würde ich jetzt übrigens auch den werten Tiomkin zu den überschätzten Komponisten zählen, bei denen es nicht selten etwas hohl und rumpelig wurde, und bei dem einfach der Golden-Age-Fetisch zu ziehen scheint. Aber ich bin jetzt still. )
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Sicher, aber ich denke nicht, dass die solch einen Hype nach sich ziehen, wie er momentan bzgl. Goldsmith herrscht. Die Leute sind halt froh, dass die letzten Musiken von ihm gehoben werden. Wenn das gestemmt ist, wird da wohl wieder Ruhe einkehren. Und es ist doch besser, wenn junge Sammler über Goldsmith an die 50er und 60er herangeführt werden als überhaupt nicht, oder?
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BLACK PATCH ist von 1957. "Alt" ist erfüllt, "50er" ebenso. Lasst den Leuten ihre Freude, Goldsmith ist nun eh bald komplett. Bist du tatsächlich so vertraut mit beiden Musiken? Hast du THE MAN gesehen? Dein Tonfall klingt, als ob es einen Konsens bezüglich beider Musiken gäbe, von dem zumindest mir nichts bekannt ist.
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Ein paar spannende Erstveröffentlichungen wären in der Tat mal wieder schön, gern auch aus den 70ern oder 80ern. Auf Joel Goldsmiths THE MAN WITH TWO BRAINS warten z.B. viele Fans, oder mal wieder was Unveröffentlichtes von David Shire oder gerne auch Kamens HIGHLANDER. Auch aus diesen Jahren ist noch einiges zu holen.
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Ausgehend von diesen beiden Tracks ist die Klangcharakteristik altbekannt (etwas lachhaft in der Tat, dass dieser sphärische Ethno-Sound als weitestmöglich entfernt von jeder Konvention verkauft wird, was er schlicht nicht ist), aber innerhalb seiner stilistischen Grenzen finde ich gerade "Paul's Dream" gar nicht mal so schlecht, besonders die sich wurmartig nach oben und wieder zurück windende Linie des elektronischen Cellos ab 2:30 in der Zigeuner-Dur-Tonleiter. Das Ganze schiebt er über mehrere Minuten um eine kleine Sekunde rauf und runter - da ergibt sich schon eine spannende Steigerung. Seit einigen Jahren hat er es irgendwie mit Chromatik und kleinen Sekunden. Mal schauen, wie die Musik in Gänze so wird. Schön aber, dass es mit dem "Dune Sketchbook" ein konzertantes Album geben wird, wo die Ideen expansiver präsentiert werden.
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veröffentlichung THE GLORIAS - Elliot Goldenthal
Sebastian Schwittay antwortete auf Csongors Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ja, Ende 2020 kam die dann. Die Facebookseite von Goldenthal hatte mal ein Foto von einem Karton voller CDs frisch aus dem Presswerk gepostet. -
veröffentlichung THE GLORIAS - Elliot Goldenthal
Sebastian Schwittay antwortete auf Csongors Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ist das nicht einfach die Zarathustra-CD, die es jetzt schon länger gibt? -
THE POWER OF THE DOG von Jonny Greenwood
Sebastian Schwittay erstellte ein Thema in Scores & Veröffentlichungen
Neben dem Lady-Diana-Biopic SPENCER hat Greenwood dieses Jahr auch den neuen Film von Jane Campion vertont: THE POWER OF THE DOG. Der Film spielt auf einer Ranch in den 1920er Jahren und ist mit Benedict Cumberbatch und Kirsten Dunst in den Hauptrollen besetzt. Der Film ist eine Netflix-Produktion, und wird Anfang September in Venedig gezeigt, einen Monat später beim New York Film Festival. Im Laufe des Herbstes wird der Film dann ins Netflix-Programm aufgenommen. Die historische Verortung in den 20er Jahren ist musikalisch vielversprechend. Vielleicht wieder ein spröderer Western-Greenwood im Geiste von THERE WILL BE BLOOD? https://deadline.com/2021/07/jane-campion-the-power-of-the-dog-netflix-new-york-film-festival-centerpiece-1234800138/ -
veröffentlichung Intrada: Sleepy Hollow (Danny Elfman)
Sebastian Schwittay antwortete auf Trekfans Thema in Scores & Veröffentlichungen
Letztens mal wieder gehört und relativ erschüttert festgestellt, dass der Score doch enorm bildbezogen ist und zumindest auf CD nicht annähernd so gut funktioniert wie andere Elfman-Highlights der 90er wie EDWARD SCISSORHANDS oder BATMAN RETURNS, die auch als Album "konzertanter" zusammengestellt sind. Weiß gar nicht, warum ich SLEEPY HOLLOW über die Jahre immer in meiner Elfman-Top-5 hatte - würde das mittlerweile doch etwas nach unten korrigieren. Einen Complete Score brauche ich davon wirklich nicht. -
Was mir am ersten besser gefällt, ist die thematische Geschlossenheit. Das tragische, etwas an "Sidney's Lament" aus SCREAM angelehnte Hauptthema hält den Score echt gut zusammen, und es gibt einige Tracks, wo das Thema schön breit ausgemalt wird. Dahingegen gibt es im zweiten Score nur ein kurzes Hauptmotiv - ein spukiger, 'haunted house'-artiger h-moll/g-moll-Wechsel, meistens im Klavier - , der kaum weiter ausgebaut wird. Hier hätte ich mir noch irgendein größeres Statement oder eine ausformulierte Konzertfassung gewünscht. Auf der anderen Seite sind die modernistischen Horrorpassagen viel einfallsreicher und farbiger als im ersten, ganz klar.
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Prima, die Anschaffung der LaLaLand-CD habe ich immer auf die lange Bank geschoben, deswegen fehlt dieser Goldsmith noch physisch im Archiv. Hier ist jetzt wohl auch der alte Albumschnitt dabei - perfekt. Der Score ist recht unterschätzt, finde ich. Allein die Vorspannsequenz ist herausragend gut vertont.
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Der beliebteste Soundtrack 2021 / Nominierungen
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in 2021
FEAR STREET PART 2: 1978, Marco Beltrami, Brandon Roberts -
Oh, wie toll, der zweite Score verzichtet nun noch mehr auf Elektronik, ist fast vollkommen modernistisch-sinfonisch, inklusive Chor. Nochmal stärker als der erste. Hätte ich echt nicht erwartet, dass Beltrami für einen aktuellen Horrorfilm nochmal so ins ausdifferenziert Modernistische zurückkehrt. Klasse!
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Der beliebteste Soundtrack 2021 / Nominierungen
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in 2021
FEAR STREET PART 1: 1994, Marco Beltrami, Marcus Trumpp -
Puh, also bis auf ein, zwei Tracks auch wieder sehr enttäuschend: die soliden thematischen Passagen sind aus der ersten Musik übernommen - nett ist ansonsten die optimistische Schlussvariation über das Familienthema ("A Grateful Family"), und evtl. der kammermusikalisch angehauchte Actiontrack "Watch Us Run". Insgesamt aber: verzichtbar. Lieber FEAR STREET hören.
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Ich höre natürlich auch viel lieber HELLBOY oder anderes von Beltrami, aber das muss mich ja nicht daran hindern, anzuerkennen, dass es hier endlich mal wieder einen etwas stärkeren Beltrami zu hören gibt - zumindest im Vergleich mit dem Durchschnitt der letzten Jahre. Oder hörst du hier keine Unterschiede zu bspw. A QUIET PLACE 2?
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Selber schuld. Einer der deutlich besseren Beltramis der letzten Jahre. Warum du gerade nach den ersten vier Tracks, die ja dramaturgisch für sich schon ein sehr schlüssiges Ganzes abgeben, ausgemacht hast, verstehe ich überhaupt nicht. Mit "Berman is the Key" gibt es auch seit Jahren endlich mal wieder einen recht stimmigen Actiontrack mit modernistischen Spitzen von Beltrami. Überhaupt würde ich sagen: sein bester SCREAM-Score seit SCREAM 3.
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Mastorakis, nice! Zusammen mit Stanley Myers hat Zimmer für den einige seiner frühesten Scores geschrieben. Für's Filmkollektiv Frankfurt schwebt mir ja schon seit längerem eine Mastorakis-Retro mit seinen 80er-Genrefilmen und Hans Zimmer als Stargast vor... wer weiß, vielleicht mag Hans ja mal für einen Wochenend-Trip zurück in den Taunus.
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Ich höre den Score gerade mal wieder in Vorbereitung auf den Nachfolger (ich befürchte ja schon Schlimmstes...), und meine damalige Einschätzung hat sich nochmals verfestigt. Es ist echt schade, dass Beltrami seine Geräuschkompositionen mittlerweile fast nur noch elektronisch realisiert, mit dumpfem Gewummere, Verzerrungen und sonstigen elektronisch manipulierten Effekten. Das Schöne an der avantgardistischen Klangkomposition, wie er sie noch Ende der 90er/Anfang der 2000er Jahre kultiviert hat (in Scores wie SCREAM 3 oder MIMIC) ist eben, dass die unkonventionellen Sounds dem traditionellen Instrumentarium des Orchesters entlockt werden, und nicht der DAW. Der Synthesizer und der manipulierte Soundeffekt sind da höchstens zusätzliche Klangfarbe. In "It Hears You" sorgen immerhin die Streicher für ein wenig typische Beltrami-Rhythmisierung (bei 1:00 mit schön stolpernden Triolen, und 1:15) - der größte Teil des Tracks besteht allerdings aus der nervenzerrenden 'braaam'-Zimmer-Tradition post INCEPTION. Auch in OLD MAN schnarrt hin und wieder die Bläsersektion in einem Penderecki-haften Dickicht vor sich hin, wird aber leider allzu schnell wieder vom elektronischen Gewummere überlagert. Alles schon sehr frustrierend anzuhören. Am schönsten finde ich nach wie vor die melodischen Passagen mit dem Familienthema ("A Quiet Family", "A Quiet Life"). Der solistische Einsatz der Close-Miking-Klaviere und -Klaviersaiten hat was, die verstimmten Viertelton-Effekte ebenfalls - allerdings: bin das nur ich, oder ist das Familienthema ziemlich überdeutlich an das Clarice-Starling-Thema aus HANNIBAL angelehnt?